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Interkulturelle Kompetenz geht alle an

Zwei Tage lang gab Monique Brucke vom BASS Unternehmensservice aus Chemnitz (im Bild links) Erzieherinnen der Kindertagesstätten der Volkssolidarität Chemnitz einen Einblick und Anregungen beim Umgang mit Migrationsfamilien. Grund für die Schulung ist die Zunahme von Kindern mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen und die damit zum Teil verbundene Unsicherheit und Unwissenheit beim Umgang mit anderen Kulturen. Dabei wird interkulturelle Kompetenz immer mehr zu einer unverzichtbaren Schlüsselkompetenz für pädagogische Fachkräfte.
Zentrale Themen der Veranstaltung waren Kultur und Kindheit. In einer Übung wurde darüber gesprochen, was Kultur und Heimat für jeden Einzelnen bedeutet, was man mit den Begriffen verbindet. Die Teilnehmer sollten sich der eigenen kulturellen Prägung bewusst werden und über den Tellerrand schauen. Um entsprechendes Fachwissen erlangen zu können, ist es notwendig zu wissen, dass es verschiedene kulturelle Modelle gibt. Doch oftmals wird erst beim Kontakt mit anders sozialisierten Menschen richtig bewusst, dass es verschiedene Kulturstandards gibt. Das Verhalten der Person kann dann oftmals nicht richtig wahrgenommen und interpretiert  werden. Es kommt zu Missverständnissen, Fehlreaktionen, Verunsicherungen und teilweise auch zur Handlungsunfähigkeit.
Kultur wird durch Tradition, Religion, Sprache und durch sozio-ökonomische Faktoren geprägt, sie bestimmt unser Denken und Handeln und führt damit u.a. zu differenten Erziehungsstilen. So ist es bspw. für afrikanische Frauen nicht verständlich, dass in Deutschland Kinder oftmals getrennt von ihren Eltern schlafen. Umgekehrt sind Deutsche schockiert darüber, dass in anderen Ländern auf dem Boden und mit Händen gegessen wird. An den Beispielen ist zu erkennen, dass wir uns vor allem über Äußerlichkeiten definieren. Wir sehen jemanden, sehen die Kleidung, die Frisur, die Kopfbedeckung, wie er spricht, sich verhält, was er isst usw.  So nehmen wir viele Dinge nur oberflächlich als Stereotyp war. Diese können positiv, negativ oder neutral sein. Empfinden wir ein bestimmtes Aussehen/Auftreten als negativ, weil es bspw. in der eigenen Kultur anders ist, wird ein Vorurteil gebildet. Es gibt keine Chance zu zeigen, wie die Person wirklich ist. Doch das Fundament dieser Person liegt tiefer. Das Wissen um die Existenz verschiedener Kulturen und die Akzeptanz und Annahme dieser kulturellen Unterschiede ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Begegnung allem Neuen gegenüber mit Neugierde, Offenheit und Sensibilität führt nach und nach zur Erschließung und einem tieferen Verständnis für fremde Kulturen.
Die Teilnehmer der Schulung äußerten auch erste Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien in ihren Einrichtungen. Offen würde man den Menschen begegnen, doch man stoße auch auf Schwierigkeiten. Pünktlichkeit, Sprachbarrieren, andere Essengewohnheiten und das allgemeine Verständnis für Kindertageseinrichtungen seien Probleme, mit denen man sich im Alltag konfrontiert sieht. Dies macht deutlich, dass die Arbeit mit Migrationsfamilien viel Zeit in Anspruch nimmt und in Zukunft auch weiter nehmen wird. Beide Seiten müssen lernen, über den Tellerrand zu schauen, Akzeptanz zu schaffen, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und sich schließlich nach und nach anzunähern. Zu wissen, dass es unterschiedliche kulturelle Standards gibt, spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Der Umgang unter den Kindern selbst sei dagegen weitestgehend unproblematisch. Offen und unvoreingenommen begegnen sich die Kleinen – ein Beispiel, dem in der heutigen Zeit alle folgen sollten.

Anm. d. Red.: Zur besseren Illustration ist der Text unter der Verwendung folgender Broschüre entstanden: Ariane Gernhardt, Karsten Herrmann, Maria Korte-Rüther (2013): Interkulturelle Kompetenz in der KiTa. Nifbe.