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„M & M“ – Mohn und Musik

Ein musikalisches Blumenporträt

„Rot blüht der Mohn“ lautete ein einprägsamer Musiktitel des unvergessenen Udo Jürgens, den er 1986 heraus brachte: „….und der Wind bewegt ein Meer von Blüten / bald bleibt davon nur ein weißer Staub in Plastiktüten. / Rot blüht der Mohn / Millionen Tränen nähren ihn wie Tau …“

Allerdings widmete er seinem Song dem Schlafmohn (Papaver somniferum), der durch seine Nutzung für die Gewinnung von Opium den gesundheitlichen Ruin dessen Konsumenten mit sich bringt. Diese Mohn-Art ist eine wichtige Heilpflanze, die seit über 6.000 Jahren angebaut und besonders zur Schmerzstillung und Beruhigung eingesetzt wird. Das Suchtpotential ist jedoch so hoch, dass die Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Schlafmohn hat in fast allen Pflanzenteilen giftige Inhaltsstoffe, z. B. Opiumalkaloide, die sich am stärksten im Milchsaft der Samenkapsel konzentrieren. Lediglich der ölhaltige Samen ist unbedenklich und wird vor allem für die Herstellung von Backwaren und Süßspeisen genutzt. In Deutschland ist der private Anbau von Schlafmohn seit vielen Jahren verboten, dazu bedarf es einer behördlichen Genehmigung, selbst bei morphinarmen Sorten. Dennoch, vereinzelt lassen sich über Gartenzäune kleine Pflanzenbestände bei Blumenliebhabern ausmachen. Mancher Gartenfreund ist sich möglicherweise nicht bewusst, was da eigentlich im Beet steht. Eine Selbstaussaat der pflegeleichten Pflanze ist nicht auszuschließen. Die Blütenfarbe, welche Udo Jürgens besingt, ist beim Schlafmohn jedoch gar nicht so häufig. Dieser hat meistens violette Blüten.

Wenden wir uns nun dem wirklich rot blühenden Mohn, der als Klatschmohn (Papaver rhoeas) bezeichnet wird, zu. Hier hat man auch gleich eine bekannte Melodie im Ohr: „..Roter Mohn, warum welkst du denn schon, / wie mein Herz sollst du glüh‘n und feurig loh'n. / Roter Mohn, den der Liebste mir gab, / welkst du weil ich ihn schon verloren hab? / Rot wie Blut, voller Pracht, warst du noch gestern erblüht, / aber schon über Nacht ist deine Schönheit verblüht…“

„Roter Mohn“ wurde 1938 von Bruno Balz für die UFA-Produktion „Schwarzfahrt ins Glück“ geschrieben. Die chilenische „Lärche“ Rosita Serano trällerte dieses Lied unnachahmlich von den Kinoleinwänden der großen deutschen Filmpaläste. Der Song wurde zum Hit und bis heute vielfach neu vertont. Unterhalter Götz Alsmann und selbst die „Mutter des Punks“ Nina Hagen bringen uns den einstigen Filmschlager in sehr unterschiedlichen Variationen zu Gehör. Mohnblumen, welche uns leuchtend rot von den Randstreifen heimischer Felder grüßen und Bruno Balz dereinst inspirierten, lassen sich eindeutig dem Klatschmohn zuordnen. Hauptsächlich geht es in dem Liedtext um die Vergänglichkeit der Liebe, wobei der Texter das schnelle Welken der Blütenblätter einbezog. Beim gewöhnlichen Klatschmohn lässt sich auch nicht viel dagegen tun. In der Liebe und im Zusammenleben schon, wenn sich beide Mühe geben.

Leider sind die schönen Pflanzen inzwischen aus etlichen Gegenden völlig verschwunden, von den Unkrautvernichtungsmitteln der Agrarindustrie mit vielen anderen Wildpflanzen allesamt beseitigt.

Die ein- bis zweijährigen Klatschmohnpflanzen blühen hauptsächlich in der Zeit zwischen Anfang Mai bis Ende Juli, oftmals auch noch länger. Stiele und Samenkapseln führen einen schwach giftigen Milchsaft, welchen ich als harmlos bezeichnen möchte. Auch hier können die kleinen Samen als Backzutat verwendet werden. Da könnte nun meine Frau ein Lied davon singen, denn am Wochenende gehört für mich ein leckeres Mohnbrötchen zum Frühstück einfach dazu.

Als Schnittblume sollte man ihn gemeinsam mit anderen Feldblumen (Margeriten, Kornblumen, etc.) und Gräsern oder Getreideähren im Strauß arrangieren. Das passt gut zusammen und retuschiert etwas den Verlust der Mohnblätter. Manchmal hilf es, die Blumenstängel kurz in warmes Wasser zu stellen, bevor diese in das dafür angedachte Gefäß kommen.

Wer dem Klatschmohn im Garten oder im Balkonkasten einen Platz geben möchte, benötigt neben durchlässiger Erde vor allem eine sonnige Stelle. Fühlt sich der Mohn heimisch, bleibt er durch Selbstaussaat erhalten und breitet sich nach und nach auch im Umfeld aus. Ein Umpflanzen gelingt selten, weil beim Versetzen die Erde von der Pfahlwurzel abfällt. Am Einfachsten ist es, die Samen auf die Erde zu streuen und abzuwarten. Der Mohn ist ein „Licht-Keimer“, daher kommt auch keine Erde auf den Samen. Klatschmohn gibt es in einigen Variationen, z. B. mit rosa und weißen Blütenblättern.

Liebhaber von großblumigem Mohn können sich orientalischen Mohn (Papaver orientale) versorgen. Dieser ist eine mehrjährige Staude und eignet sich sogar als Schnittblume. Vor allem, wenn die Stängel kurz vor dem Aufblühen abgeschnitten und die Stielenden kurz mit einer Flamme vom Feuerzeug „behandelt“ werden, lässt sich die Haltbarkeit in einer Blumenvase durchaus um etliche Tage verlängern. Außerdem sind die großen Samenkapseln auch im getrockneten Zustand sehr schön floristisch verwendbar. Die Samen vom orientalischen Mohn lassen sich jedoch nicht kulinarisch nutzen.
Übrigens wurde früher den Kleinkindern etwas Mohn in den Brei gemischt. Diese rabiate Einschlafhilfe hat glücklicherweise nicht in die heutige Zeit gefunden. Auf Englisch nennt man ihn Corn Poppy oder auch Red Poppy und ich finde, das hat auch was Musikalisches.

Stöbern Sie doch mal wieder in ihrer Plattensammlung oder im Internet nach schönen Liedern mit blumigen Titeln. Es wäre zu schade, wenn bspw. die hier von mir zitierten Musikstücke in Vergessenheit geraden. Ebenso lade ich Sie zu einer „Ungehörigkeit“ ein. Versorgen Sie sich taugliche Mohnsamen und verstreuen diesen im Spätherbst oder im nächsten Frühjahr auf geeignete sonnige Brachflächen. Denn diese schöne Pflanze soll nicht nur musikalisch weiterleben, sondern dauerhaft für Menschen und vor allem Insekten ein Lichtblick sein.

Kommen Sie gut durch eine sonnenreiche Zeit. Wem es leider gerade nicht gut geht: Nutzen Sie wenn möglich ebenfalls die Sonnenstrahlen, schöne Blumen und Musik. Genießen Sie mal wieder ein Mohnbrötchen mit Butter und duftendem Kaffee (oder Kornkaffee). 

Alles Gute und herzliche Grüße
Ihr Andreas Wolf-Kather