Altern in Würde – Gerechtigkeit, Mitbestimmung, Teilhabe

Zu diesen Themen trafen sich an einem heißen Tag im Juni, auf Einladung der Linksfraktion im Bundestag, Seniorinnen und Senioren aus den Bundesländern zu einer Konferenz in Leipzig. 

Wie kann eine Gesellschaft es schaffen, dass alle Menschen in Würde altern können? Diese Frage wird in der öffentlichen Debatte immer wieder verhandelt. Gerade in einer Gesellschaft, die aufgrund des demografischen Wandels älter wird, ist dieses von zentraler Bedeutung.

Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Dietmar Bartsch verwies in seinem Eingangsstatement darauf, dass das Problem der Altersarmut lösbar ist, indem der Reichtum der Gesellschaft von oben nach unten umverteilt wird. „Kinder- und Altersarmut sind eine Schande in einer reichen Gesellschaft wie in Deutschland. Aber es darf nicht sein, dass Kinder- gegen Altersarmut ausgespielt wird.“ Jede Altersgruppe muss eine gute und gleichberechtigte Fürsorge erhalten! Bereits heute leben rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland in Armut und viele treibt die Angst, wie es nach ihrem Arbeitsleben weiter geht. Wie viele Selbstständige arbeiten heute schon weit über das Rentenalter hinaus, weil sie keine Rente zum Leben erhalten bzw. erwarten können. Erst jüngst konnten wir lesen, dass die Anzahl der Menschen im Rentenalter, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, weiter angestiegen ist. Neben Freude an der Arbeit kommt bei vielen die Notwendigkeit der Rentenaufbesserung dazu.

Ingo Schäfer, Vertreter vom Deutschen Gewerkschaftsbund, unterstrich, wie wichtig es sei, die gesetzliche Rente zu stärken und Löhne flächendeckend an den Tarifen zu binden. Jetzt ist es so, dass immer mehr Rentnerinnen und Rentner weniger vom Wohlstand abbekommen. 

Dass gesellschaftliche Teilhabe nicht nur eine Frage des Geldes ist, machte ein Stadtrat aus Leipzig deutlich. Barrierefreiheit – vor allem auch in der eigenen Wohnung – sei von großer Bedeutung. Hier gibt es noch großen Bedarf der Umsetzung. Mobilität verhindere Vereinsamung. Dazu benötigen wir einen barrierearmen öffentlichen Nahverkehr. Wir brauchen mehr Orte für Begegnungen im Sozialraum und frühzeitig aufsuchende Angebote, die für alle Menschen nutzbar sein müssen. So sah es vor allem die Vertreterin des Paritätischen Gesamtverbands. Finanzielle Absicherung sowie die Selbstständigkeit fördernde Präventionsarbeit seien die Grundvoraussetzungen für ein würdiges Leben im Alter. Notwendig sind Anlaufstellen für Seniorinnen in den Quartieren. Dort können die Bedarfe konkret erfasst und entsprechende Lösungsvorschläge unterbreitet werden.  In Sachsen wird dieses seit Jahren durch die LINKE eingefordert, ist bisher jedoch an der Mehrheit im Landtag gescheitert, da die Staatsregierung keine Notwendigkeit darin sieht. Unser Seniorenpolitisches Netzwerk unterstützt diese Forderung und hat sich bereits mehrfach an die entsprechenden Parteien gewandt. 

Im abschließenden Podium diskutierten Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Sächsischen Landtag, und Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, über die Bedingungen des Alterns in Würde. Dabei standen u. a. die Chancen und Gefahren der Digitalisierung im Vordergrund und wie ältere Menschen hier stärker mitgenommen werden können. Außerdem ging es um die Frage, wie eine menschenwürdige Pflege geschaffen werden kann und um die Stärkung der Teilhabe von älteren Menschen im ländlichen Raum.

Die rege und sehr lockere Diskussion hat erneut gezeigt, wie notwendig es ist, unsere älteren Bürgerinnen und Bürger in die Debatten zur Gestaltung ihres würdevollen Lebens einzubeziehen.