Zurück

„Ein Topf Dahlien, bitte – ein Dahlieneintopf, bitte …“

Liebe Blumenfreunde, die gewählte Überschrift dieser kleinen Kolumne ist mehr als nur ein albernes Wortspiel. Es steckt Gehalt in ihr, sowohl in den Zwischenzeilen als auch in den Bestandteilen der angesprochenen Pflanze. Viele Gärtner wissen ja gar nicht, dass man die blumigen Dahlien tatsächlich verzehren kann. Gut, die bunten Blütenblätter dekorativ über Salate, Kaltspeisen und Torten streuen kann jeder. Das höchste kulinarische Entzücken mit vielseitig zubereiteten Dahlienknollen herauszufordern ist jedoch eine ganz andere Liga. 

Vermutlich würde mancher aus der Unkenntnis heraus vermuten, dass man ihm dies in nicht wohl gesinnter Stimmung serviert. Doch das Zeitalter des Internets ermöglicht es, sich in solchen Angelegenheiten Gewissheit zu verschaffen. Unsere Vorfahren wussten bestens darüber Bescheid, welche pflanzlichen Bestandteile einer gesunden Ernährung dienen. Vieles  davon bleibt heute unbeachtet oder ist gar in Vergessenheit geraten. 
 Um bei der Dahlie zu bleiben: Wer käme auch auf die Idee, eine seiner schönsten Sommerpflanzen einfach aufzuessen. Passionierte Gärtner empfinden sicher schon bei dem Gedanken daran eine gewisse Wehleidigkeit,  welche mit der Kultivierung dieser – bei uns nicht winterharten – Pflanze einhergeht. Mühsam ist es oftmals, den richtigen Zeitpunkt (nach den Frühjahrsfrösten)zu finden, an geeigneter Stelle die richtige Pflanztiefe für die Knollen zu bestimmen, das beste Substrat zu mischen sowie vor allem fraßgierige Nacktschnecken fernzuhalten – und dann im  Herbst wieder das rechtzeitige Ausgraben sowie die frostfreie Überwinterung der Knollen. 

Dennoch, wer sich darin gut versteht, dem vermehren sich auch Jahr für Jahr die Bestände. So kommt auch einmal der Zeitpunkt, wo Gartennachbarn und Freunde deutlich sagen: „Nein, wir wollen keine Dahlienpflanzen mehr!“ Keine Bange, stattdessen kann man sie nun zu einem außergewöhnlichen Essen einladen. Gekocht, geschmort, gebraten, frittiert oder auch püriert, die Dahlienknolle steht der Kartoffel ebenbürtig gegenüber. Sie wurde deswegen auch ursprünglich in Mittelamerika kultiviert. Der Geschmack ist sehr vielfältig. Verschiedene Gemüsearomen, wie bspw. Kohlrabi, machen neugierig auf die Verarbeitung der unter der Erde verborgenen Bestandteile. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte im Fachhandel nach besonders schmackhaften Sorten fragen.

Die Verarbeitungszeit liegt im Spätherbst, wenn die Pflanzen oberirdisch keinen Blütenschmuck mehr abgeben oder sich der erste leichte Frost ankündigt. Nach dem Ausgraben befreit man die Dahlienknollen von Erdresten. Kühl, dunkel und vor allem trocken müssen diese gelagert werden. Mit der Zeit schwindet allerdings der Wassergehalt, sodass die Knollen zäh werden. Dann sollte man sie lieber im Folgejahr wieder in den Boden bringen und den Kreislauf neu starten. Dazu bedarf es einer Anreicherung mit natürlichen Nährstoffen der Pflanzerde, denn die ausgelaugten Knollen benötigen viel Wachstumsenergie. Generell sollte auf künstlichen Dünger  verzichtet werden, wenn man sich die Pflanzen schmecken lassen möchte.

Auch auf „Balkonien“ kann man sich das Blumengemüse ziehen. Dahlien gedeihen sehr gut in Kübeln oder größeren Töpfen. Wichtig sind ein durchlässiges Substrat sowie ein windgeschützter und vor allem  sonniger „Stellplatz“. Für den Balkon eignen sich kleinbleibende Sorten eher. Nachteilig dabei ist, dass dann auch die Knollen kleiner sind und sich der „Ernteertrag“ entsprechend verringert.

Also, wer im Herbst nach dem Ausgraben seiner Prachtpflanzen nicht weiß, wohin, der kann sich gern einmal an der kulinarischen Reduzierung des Bestandes versuchen – falls, es nicht schon die Schnecken übernommen haben …

Bis dahin wünsche ich Ihnen eine blütenreiche Jahreszeit und verbleibe mit den herzlichsten Grüßen

Ihr Andreas Wolf-Kather