Chemnitzer Kleinod - der Schloßteich

aus VS Aktuell 1/2002, erschienen im  VS Aktuell 1/2002   Aus der Stadtgeschichte 

Seit Herbst vergangenen Jahres werden der Schloßteich und seine Anlagen umfassend "überholt". Deshalb auch soll dieses Mal seine über 500- jährige Geschichte Gegenstand unserer historischen Betrachtungen sein. Ursprünglich war das Terrain unterhalb des Benediktinerklosters ein sumpfiges Wiesengelände, das von einem Seitenarm der Pleißa in Richtung des Fischweges zum Chemnitzfluss hin durchflossen wurde. Dieser Bach zeichnete sich, wie Paulus Niavus 1486 berichtete, durch bemerkenswerten Fischreichtum aus. Diese Tatsache und die Absicht, dem Kloster durch eine Teichanlage das Aussehen eines Herrensitzes zu verleihen, bewogen den Abt Heinrich von Schleinitz im Jahre 1493 zur Anlage eines Klosterteiches. Das geschah, indem Klosterbauern vom Schloßberg aus nach Osten und Süden, längs der heutigen Promenadenstraße zur Hartmannstraße hin, einen Damm aufschütteten, der das Wasser des von Altendorf kommenden Baches anstaute. Dieser Damm hatte - für uns heute kaum vorstellbar, aber bei Grundgrabungen für das Teichwehr durch Bohlenrostfunde festgestellt - eine Höhe bis zu sechs Metern. Nach der Säkularisation des Klosters ging der Teich 1540 in Staatseigentum über und wurde zum Amtsteich des kurfürstlichen Amtes Chemnitz. Aus dieser Zeit existiert im Berliner Kupferstichkabinett ein aufschlussreicher Kupferstich des Schloßteiches mit der Inschrift: "Prospekt des Könglich Churfurstlichen Sächsischen Schlosses Chemnitz, wie sich solches aus dem Deichdamm, dreißig Schritt vor dem Flussbett von Süden gegen Norden präsentieret. Aufgenommen am 16. Januar 1728." Am 1. Januar 1819 ging der Teich in den Besitz des Inhabers der Schloßmühle, Johann David Matthes, für 1.000 Taler Kaufgeld und 100 Taler jährlichen Erbzins über. Von da an wechselte der Besitzer mehrfach. Als dann der letzte, Gottfried Opitz, aber die Absicht zeigte, den Teich trockenzulegen und landwirtschaftlichen und Bauzwecken nutzbar zu machen, wurde sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst. 'Was sollten unsere Zeitgenossen und noch mehr die Nachkommen sagen, wenn der Fall eintreten würde, dass die Zierde unserer Umgebung verschwände, die Gemeindeverordneten aber die Mittel, welche sie in der Hand hatten, die Erhaltung zu sichern, nicht benutzt hätten?" Und so kam im Sommer 1860 der Teich wieder in die Hände der Stadt. Nach dem Ankauf des Schloßteiches erfolgte seine schrittweise Umgestaltung in eine Park- und Erholungsanlage. Die verdienstvollen Initiatoren dafür waren Bürgermeister Johann Friedrich Müller und Stadtrat Carl Robert Zipper. Beide, zu denen sich später noch der Gartenbaudirektor Otto Werner gesellte, bewiesen dabei nicht nur Tatkraft und gärtnerisches Geschick, sondern auch eine Weitsicht, die bis in unsere Tage reicht. Unterstützt wurde das Vorhaben ganz besonders durch den Chemnitzer Verschönerungsverein. Die ersten Etappen hießen: Uferbefestigung, Dammerhöhung, Anlage eines Dammweges rings um das 12 Hektar große Schloßteichareal, Entschlammung und gärtnerische Gestaltung. Im Ergebnis der 1867168 vorgenommenen Entschlammung entstand die Schloßteichinsel. Neben ihrer Bepflanzung wurden ein Musikpavillon und eine Vogelvoliere errichtet. Am 6. Mai 1913 erfolgte die Einweihung des in Würdigung um die Verdienste der Schöpfer der Anlagen von dem Chemnitzer Bildhauer Bruno Spieß geschaffenen Müller-Zipper-Brunnens. Nachdem die Sächsische Maschinenfabrik AG vorm. Richard Hartmann 1930 in Konkurs gegangen war, erfolgte nach dem Abriss der Fabrikgebäude und der Einebnung des Geländes zwischen Hartmann- und Bergstraße bis 1938 eine Erweiterung der Schloßteichanlagen im französischen Gartenstil. Es entstand eine attraktive Springbrunnenanlage.Hier fanden die Schillingschen allegorischen Figuren "Die Tageszeiten" ihren Standort und im Parkabschnitt Rosengarten die 1937 von dem Chemnitzer Künstler Richard Scheibe geschaffene Bronzeskulptur "Morgenröte" Aufstellung. Im Jahre 2001 wurde diese Parkanlage nach historischem Vorbild restauriert. Das Schloßteichterrain wurde von der Bevölkerung voll angenommen und eines ihrer beliebtesten Ziele der Naherholung. Hier konnte man nicht nur spazieren, auf Bänken behaglich ausruhen oder auch Schwäne füttern. Eine Gondelstation, im Sommer zeitweilig Badebetrieb und im Winter Eis laufen sorgten für aktives Ausspannen. Vielfältige Kulturestraden, wie zum Beispiel die Nachgestaltung der berühmten St. Petersburger Nächte auf dem Eis, sportliche Vorführungen, Schloßteich- Festwochen, ja selbst Fallschirmsprünge in den Teich und sogar eine internationale Rennbootregatta verzeichnet die Chronik des vergangenen Jahrhunderts. Gastronomische Betreuung boten seit 1880 das Schloßteich-Restaurant und das bekannte "Milchhäuschen", das seit Ostern 1996 wieder zur Verfügung steht. Die Schloßteichanlagen wurden auch nicht von harten Schlägen verschont. Am 2. Dezember 1866 ereignete sich beim Eis laufen ein schweres Unglück, bei dem neun Kinder und zwei Jugendliche den Tod fanden. Am 27. Mai 1916 richtete eine Windhose schwere Schäden im Baumbestand an. Beträchtliche Schäden erfuhr das Areal auch im letzten Kriegsjahr. Dabei wurde zum Beispiel das Schloßteich-Restaurant total zerstört. Bedeutende Erhaltungs- und Erneuerungsarbeiten wurden Ende der vierziger und zu Beginn der achtziger Jahre von der Stadt ausgeführt. Und nun wird ein weiteres Mal Alles unternommen, das in 140 Jahren geschaffene städtische Kleinod zu bewahren.