Chemnitzer Brautradition

aus VS Aktuell 2/2006, erschienen im  VS Aktuell 2/2006   Aus der Stadtgeschichte 

Das erste Bier in unserem Gebiet wurde im Benediktinerkloster für den ausschließlich Eigenbedarf der Mönche gebraut. Doch auch bei den Bürgern unserer Stadt hatte das Bier bereits im frühen Mittelalter einen hohen Stellenwert als Nahrungs- und Genussmittel. Schon 1334 verlieh Markgraf Friedrich der Stadt Chemnitz das Privileg der Bierbannmeile, innerhalb deren kein „fremdes“ Bier gebraut oder verkauft werden durfte.

 

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte beim Brauen eine Umstellung von dem bis dahin üblichen Dünnund Tränkebier auf das stark gehopfte schwere Lagerbier. Das erforderte aber eine längere Reifung und damit wurden Keller mit ihren kühlen gleich bleibenden Temperaturen zur technologischen Bedingung. Solcherart entstanden die Keller unterm Kaßberg. 1833 erfolgte eine grundlegende Brauerei- Reform in Chemnitz, wonach drei Sorten, „ein leichtes und ein braunes“ sowie ein Tafelbier gebraut werden durften. Dabei tauchte erstmals auch der Begriff des Flaschenbieres auf. Die Realisierung erfolgte durch 221 brauberechtigte Bürger, die in zwei Braugesellschaften zusammengeschlossen waren, von denen jede über ein Brau- und ein Malzhaus verfügte. Daran erinnert uns heute noch die Brauhausstraße. Mit dem 1861 von der sächsischen Staatsregierung erlassenen Gewerbegesetz wurden den Braugesellschaften die Privilegien genommen. Daraufhin schlossen sich 1870 27 ehemals brauberechtigte Bürger zu einer „Allgemeinen Chemnitzer Braugenossenschaft“ zusammen, die dann 1875 mit 54.000 Mark entschädigt wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm in Chemnitz die industrielle Bierherstellung ihren Anfang, wobei die neu entstehenden Brauereien aus der unmittelbaren Stadt in die Vorstädte verlagert wurden. Zuerst errichtete der Gastwirt und Braumeister Conrad Heinrich Weber 1856 in Hilbersdorf die Waldschlösschen-Brauerei. Es folgte am 15. April 1857 die Gründung der „Aktien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß Chemnitz“, deren Logo ein Mönch wurde, der einem Storch im Nest einem überschäumenden Krug Bier kredenzt. Heute jedoch ist das gesamte Areal eingeebnet und hat eine neue Zweckbestimmung. Es folgten die Einweihung der Bergschlößchen-Brauerei an der Zschopauer Straße 184 am 21. April 1864, von der heute nur noch der denkmalgeschützte Darreturm zeugt, und im Jahre 1866 die Brauerei von Gottlob Andreas Dittrich an der Limbacher Straße. Seit 1868 liefert die Chemnitzer Feldschlößchen- Brauerei im Kappelbachtal bis heute kühles Blondes in die Stadt.