Ellen Steinbach: Die Gemeinschaft ist es

„Das Wichtigste an der Volkssolidarität ist für mich die Gemeinschaft, der Zusammenhalt unter den Mitgliedern“, sagt Ellen Steinbach. Das hatte sie schon mit 18 Jahren begriffen, als der Dresdner Aufruf „Volkssolidarität gegen Wintersnot“ vom 17. Oktober 1945 ihr Heimatdorf Auerswalde erreichte. Zum Jahreswechsel 1945/46 ist sie mit ihren Eltern der Solidaritätsorganisation beigetreten, der sie noch immer die Treue hält. Damals sei es in erster Linie auf Hilfe für Bedürftige mit Sach- und Geldspenden angekommen. „Meine Familie hat zum Beispiel zwei Frauen aus Oberschlesien für einige Zeit aufgenommen, damit sie erst einmal ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen hatten.“ Aber genau so wichtig sei nach zwölf Jahren Faschismus die Kultur gewesen, die Verbreitung humanistischen deutschen und internationalen Kulturerbes.  
 Ellen Steinbach hatte, noch kurz bevor sie 1944 zum Arbeitsdienst musste, die Prüfungen als Musikerzieherin für Akkordeon und Klavier in Dresden und Chemnitz abgelegt. Das kam ihr und auch der Volkssolidarität gleich in den Nachkriegsjahren zugute. Viele Kinder und Jugendliche hegten den Wunsch, ein Musikinstrument zu erlernen. Mit ihren Musikschülern und seit Beginn der 50er Jahre mit einem ganzen Akkordeonorchester hat Ellen ehrenamtlich zahlreiche  Veranstaltungen der Volkssolidarität umrahmt und sogar ganze Konzerte gegeben, nicht nur im Heimatdorf, auch in Oberlichtenau, in Garnsdorf sowie anderenorts. Eine Laienspielgruppe hat die junge Frau damals ebenfalls auf die Beine gestellt.
 Als Unterhaltungskünstlerin bereitete sie später vielen Leuten zwischen Erzgebirge und Ostsee  mit ihrem Talent Freude. Dabei suchte Ellen Steinbach immer wieder die Gemeinschaft. Nachdem sie 1981 mit ihren Eltern in das Karl-Marx-Städter Heckert-Gebiet (an die „Stadtmauer“) gezogen war, erklärte sie sich bald darauf bereit, als Volkshelferin in ihrer Wohngruppe mitzuwirken. Ihr urwüchsiger Humor hat manche Veranstaltung gewürzt. Das zehnjährige Jubiläum der Sertürner-Apotheke würdigte sie im Namen der Wohngruppe mit einem Gedicht und manch betagtem Mitglied gratulierte sie schon zum runden Geburtstag.

aus VS Aktuell 3/2010, erschienen im  VS Aktuell 3/2010   Verein