Rettung geschnittener Rosen

Oft kommt es vor, dass wir uns über die kurze „Haltbarkeit“ von Schnittblumen ärgern. Ob uns der selbst erworbene oder von freundlich gesinnten Mitmenschen übereichte Blumengruß eine Weile Freude bereiten wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, welche wir teilweise auch selbst beeinflussen können.

Bei größeren Gebinden sollte der Strauß  lieber immer frisch vor den eigenen kritischen Augen im Fachgeschäft aufgebunden werden. So können Sie zum einen selbst Einfluss auf die Gestaltung nehmen und zum anderen haben Sie die Möglichkeit, sich die Blumen vorher genau anzuschauen und auszuwählen. Besonders bei Rosen ist das ratsam. Führen Sie dazu ganz behutsam die „Frischeprobe“ durch, welche die geschulten Floristen selber anwenden. „Umfassen“ Sie dazu vorsichtig mit Daumen und Zeigefinger die Blütenköpfe der ins Visier gefassten Rosen. Je fester sich diese beim leichten Zusammendrücken anfühlen, umso größer ist die Chance, dass diese Blumen auch „schnittfrisch“ sind. Natürlich verhält es sich im Normalfall so: Je knospiger eine Blüte ist, umso fester fühlt sich diese auch an. Ich möchte Ihnen damit keinesfalls zureden, dass Sie möglichst knospige Ware kaufen, denn das birgt dann wieder die Gefahr, dass sich die Blüten nie öffnen werden, falls diese zu früh geschnitten wurden. Außerdem kommt ein Strauß viel besser zur Geltung, wenn man bereits leicht geöffnete Blüten verwendet. Am Grifftest bei Rosen lässt sich aber genau für solche Gestaltungsmöglichkeiten ein Qualitätsmerkmal feststellen. Unseriöse Händler könnten nämlich mit gekonnten Verfahren ihre Ware „verjüngen“. So ist es möglich, bei aufgeblühten Rosen die unteren Blütenblätter auszureißen und somit die Blüte optisch wieder knospiger und damit für die Augen des Kunden „frischer“ erscheinen zu lassen. So behandelte Rosenblüten fühlen sich bei der beschriebenen Griffprobe sehr schwammig an, d. h., durch die ausgerissenen Blätter fehlt die Festigkeit des Blütenkelches, welche sonst deutlich ausgeprägter ist.

Es gibt aber ebenso Situationen, in denen selbst Profis der „Frischefalle“ auf dem Leim gehen können. Damit die eingekauften Schnittblumen länger gelagert werden können, greifen fast alle Händler auf die Kühlung der Ware zurück. Bereits im Großhandel werden die Schnittblumen (außer kühleempfindliche Exoten) in einer riesigen begehbaren Kühlzelle bei ca. 10 Grad in Regale und Behälter einsortiert. Die Blumen fallen damit in eine Art „Winterschlaf“. Sie benötigen kein Wasser und liegen so oftmals tagelang in Kartons, bis sie dann ein Händler mitnimmt. Der Vorteil dabei ist, dass sich bei kühlen Temperaturen die so behandelte Ware nicht weiter entwickeln, also aufblühen kann und attraktiv für die Ladenbesitzer erscheinen. Um beim Beispiel der Rosen zu bleiben: Diese werden im Handel „Kopf an Kopf“ oftmals bis zu 50 Stück fest in Folie eingepackt. Damit bleiben die Blütenköpfe optisch im Zustand, wie sie geschnitten wurden und gehen nicht weiter auf. Endlich in den Blumenläden angekommen, werden die Blumen ausgepackt und frisch angeschnitten. Die Ware, die nicht in den Verkaufsraum kommt, geht als Vorrat wieder in eine Kühlzelle! Größere Geschäfte verfügen über begehbare Einrichtungen und die kleinen nehmen einfach Kühlschränke für diesen Zweck. Das ist auch an und für sich nichts Sonderbares und das war schon immer so. Früher mussten kühle Keller dazu dienen. 

Wo ist nun der Haken an der Sache? Je länger die Blumen „kalt gestellt“ werden, umso schwieriger ist es, diese anschließend zu Hause erhalten zu können. Die Lebenszeit der Blumen verlängert sich ja nicht dadurch, sie sehen nur wesentlich länger frisch aus, wenn der Kunde sie dann kauft. Außerdem entsteht gerade durch den Kühlprozess ein weiteres Problem, mit welchen dann der Kunde allein gelassen wird. Gerade Rosen reagieren empfindlich auf enorme Temperaturschwankungen. Als Folge lassen diese oftmals schnell die Köpfe hängen, wenn sie aus der Kühlzelle in die warme Wohnstube gebracht werden. Um das zu verhindern, benötigen die Blumen unbedingt einen mindestens 2 cm langen schrägen neuen Anschnitt am Stielende und unbedingt lauwarmes Wasser. Sollte es bereits geschehen sein, dass die Blütenköpfe sich kraftlos neigen, dann hilft nur noch ein alter Floristentrick. Nehmen Sie die Rosen aus dem Strauß und schneiden Sie diese auf eine Länge. Dann legen Sie die Blüten Kopf an Kopf aneinander, so dass sich diese dicht auf einer Ebene befinden. Diesen Strauß wickeln Sie nun fest in Zeitungspapier ein. Die Rosenblüten dürfen dabei aber nicht verrutschen, sondern sie müssen sich gegenseitig stützen. Jetzt stellen Sie die Stielenden des „Patienten“ in eine Vase mit heißem Wasser. Die holzigen Stiele nehmen dieses viel besser als kaltes Wasser auf und durch die Leitbahnen wirkt die „Medizin“ kräftigend. Mindestens eine Stunde sollten Sie die Rosen so eingewickelt stehen lassen. Das Zeitungspapier darf dabei aber keine Feuchtigkeit abbekommen, denn das schadet den Blüten bei längerer Einwirkung. Wenn die Rosen so behandelt wurden, haben zwar die Stiele in der Höhe, wo sie im heißen Wasser gestanden sind, ihre grüne Farbe verloren, aber der wichtige schmückende oberirdische Pflanzenteil bekommt in den meisten Fällen sein Leben zurück. In den Fällen, wo das nicht gelungen ist, hilft dann wirklich nur noch eines: Hängen Sie die Rosen zum Trocknen auf, dann haben Sie wenigstens doch noch etwas davon!

aus VS Aktuell 2/2011, erschienen im  VS Aktuell 2/2011   Blumen- und Gartentipps