Warum nicht Chemnitz?

Interview mit Andreas Lasseck

Im bayerischen Wiesau wird gegenwärtig eine Seniorenresidenz gebaut, die nach Fertigstellung von einem Tochterunternehmen der EURO Plus Senioren-Betreuung GmbH und damit auch der Volkssolidarität Chemnitz betrieben wird. An die Redaktion wurde die Frage herangetragen, warum in Chemnitz kein weiteres Pflegeheim gebaut wird. VS Aktuell sprach mit Geschäftsführer und Vorsitzenden Andreas Lasseck.

 

Viele Mitglieder der Volkssolidarität wünschen sich, bei Pflegebedürftigkeit ihren Lebensabend in einem Pflegeheim ihres Vereins zu verbringen. Das einzige Heim, welches der Verband in Chemnitz betreibt, kann aber die Nachfrage bei weitem nicht decken. Warum baut die Volkssolidarität in Chemnitz kein Pflegeheim? 

Pläne dafür gibt es schon lange. Die Kosten für den Bau eines Pflegeheims liegen jedoch bei mehreren Millionen Euro, wofür erst einmal eine Finanzierung gefunden werden muss.  Gewöhnlich wird ein Pflegeheim von einem Investor gebaut, der es dann über einen langen Zeitraum an den Betreiber vermietet. Der Investor muss jedoch erst einmal davon überzeugt sein, dass sich seine Investition auch trägt. 

Aus diesem Grund haben wir für jeden angedachten Standort genau analysiert, ob der Betrieb eines Heimes Sinn macht. Dazu betrachten wir das Umfeld und schauen beispielsweise, wie viele Pflegeheime es bereits in der Gegend gibt. Auch statistische Zahlen wie die Bevölkerungsentwicklung fließen in die Analyse ein. Mit diesem Material wenden wir uns dann an Investoren und stellen unser Vorhaben vor. 

Uns ist klar, dass das eine Pflegeheim, welches unser Verband in Chemnitz hat, nicht ausreichend ist. Viele Mitglieder möchten ihre Angehörigen in unsere Obhut geben oder auch bei einer Pflegebedürftigkeit selber in unser Haus einziehen. Aber die Warteliste ist lang und mitunter geschieht es, dass ein Mitglied im Heim eines anderen Betreibers unterkommen muss. Viele Angehörige kündigen dann auch gleich die Mitgliedschaft selbst langjähriger Mitglieder, da sie die Verbundenheit ihrer Mutter oder ihres Vaters mit unserer Volkssolidarität nicht sehen.

Auch für die Stadt Chemnitz haben wir Standortanalysen erarbeitet und wir sind mit Investoren in Kontakt, die Interesse daran haben, hier ein Pflegeheim zu bauen und an uns zu vermieten. Aber bis die Entscheidung für ein Objekt gefallen ist, können Jahre vergehen.

Hinderlich ist hier auch, dass die Stadt Chemnitz, wie unlängst wieder der Presse zu entnehmen gewesen ist, kaum Interesse an weiteren Pflegeheimen zeigt. Die Kommune setzt verstärkt darauf, dass die Senioren selbst bei Pflegebedürftigkeit in ihrem gewohnten Wohnumfeld verbleiben und ambulante Hilfe in Anspruch nehmen. Dass klingt auf dem ersten Blick zwar ganz gut, ist aber  für die Betroffenen oft keine gute Lösung. Die meisten Wohnungen sind nicht barrierefrei und zudem droht die Vereinsamung, denn in der heutigen Zeit haben Kinder und Enkel nur noch begrenzte Zeit oder leben oft auch in der Ferne. Die Stadt kann zwar nicht verhindern, dass ein Pflegeheim gebaut wird, durch ihre Haltung hat sie aber sicherlich auch Auswirkung auf die Entscheidungen von Investoren.

 

Warum betreibt die Volkssolidarität Chemnitz über Tochterunternehmen Pflegeheime außerhalb von Chemnitz an sechs Standorten, die zum Teil weit entfernt sind?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. In Mittweida beispielsweise hat die Volkssolidarität Chemnitz die sich im Bau befindliche und 1998 eröffnete Wohnanlage für Betreutes Wohnen übernommen, als die ursprünglich ortsansässige Volkssolidarität Insolvenz anmelden musste. Das wenige Jahre später gebaute Seniorenenpflegeheim ergänzt die Wohnanlage mit Sozialstation und Begegnungsstätte zu einem Sozialstützpunkt. Bei anderen Standorten sind die ortsansässigen Verbände der Volkssolidarität an uns herangetreten, da sie sich ein verbandseigenes Pflegeheim wünschen, dieses aber nicht selbst betreiben wollen. Man darf nicht vergessen, dass jedes erfolgreich betriebene Heim auch die Volkssolidarität stärkt. 

 

Aber in Wiesau gibt es keine Volkssolidarität!

Noch nicht! Der Werdegang in Wiesau ist etwas anders. Hier hat der Investor einen guten Betreiber für ein Pflegeheim gesucht und ist an uns herangetreten. Nach reiflicher Überlegung konnten wir uns vorstellen, auch in Bayern ein Heim zu betreiben. Davon profitiert wieder der Chemnitzer Stadtverband der Volkssolidarität.

aus VS Aktuell 3/2011, erschienen im  VS Aktuell 3/2011   Gut gepflegt   Seniorenpflegeheime