„Fosend-Dinnst´g in Chamtz“

aus VS Aktuell 1/2015, erschienen im  VS Aktuell 1/2015   Aus der Stadtgeschichte 

Fastnachtstradition in unserer Stadt

Zu den größten Lustbarkeiten in Deutschland gehört zweifelsfrei der Fasching. Er entstand im Zusammenhang mit der Freude der Menschen über das Ende der fleischlosen Zeit: „Carnevale – Fleisch lebe wohl!“

Für unsere Stadt lassen sich die Anfänge bis ins Mittelalter in Gestalt der „Komödienspiele“ der Lateinschule und der „Schwerttänze“ der Innungen, von denen einer urkundlich für 1570 bezeugt ist, nachweisen. In Rückbesinnung auf die wehrhaften Traditionen der Stadt sorgten sogenannte „Stadtsoldaten“ als „Ritter der Gemütlichkeit“ für Ordnung in  der lärmerfüllten Zeit. Dabei hatten sie aber oft eine „offene Hand“, um sich selbst einen Trunk zu gönnen. Alte Chroniken berichten von farbenprächtigem Treiben und prachtvollen Umzügen.

Der Dreißigjährige Krieg setzte dem fröhlichen Treiben für lange Zeit ein Ende. Der Karneval in Chemnitz ist kein „Senker“ des Kölner Faschings, sondern hat seine Wurzeln im heimatlichen Brauchtum. In den 1930er Jahren war er der größte in Mitteldeutschland.

Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts erwachten in Chemnitz die Fastnachtstraditionen zu neuem Leben. Von Sonntag bis Dienstag fanden in den Restaurants Kostümbälle statt. Im häuslichen Speisengebrauch waren Kräppel, Brezeln und besonders Pfannkuchen. Kinder gingen kostümiert von Haus zu Haus, um mit schnurrigen Sprüchen Süßigkeiten und Pfennige zu erbetteln.

Doch dann bildete 1914 der Erste Weltkrieg eine bittere Zäsur für das fröhliche Leben.

In den lebendigen 1920er Jahren erlebte auch der Chemnitzer Fasching wieder eine „Hochzeit“. In einer Vielfalt von Veranstaltungen sorgten Vereine für buntes Leben. In den Familien begann das große Pflaumenkuchenbacken. Im frostklirrenden krisenanzeigenden Karneval 1929 kamen zumindest Knall­erbsen zum Einsatz.

Mit der Errichtung der NS-Herrschaft wurde auch der Fasching in ihrem Geiste instrumentalisiert. So war laut einer Bekanntmachung vom 22. Januar 1936 die Teilnahme von Festwagen am großen Karnevalsfestzug nur „arischen Firmen“ erlaubt. Der Erlös des massenweise erfolgten Verkaufes von Karnevalsabzeichen wurde dem Winterhilfswerk (WHW) zugeführt. 1937 trat Chemnitz dem Bund Deutscher  Karneval bei. Ab 1938 organsierte die Chemnitzer Fastnachtsgesellschaft e. V. den Karneval. Mit dem Schlachtruf: „Nu äm!“ fand 1939 der letzte Vorkriegsfasching statt.

Ab 1946 fanden in den Betrieben und Einrichtungen bunte Veranstaltungen unter der Losung „Wer schaffen will, muss fröhlich sein“ statt. Im Jahr darauf erlaubte die Sowjetische Militäradministration (SMA) solche Veranstaltungen auch in der Öffentlichkeit. Dabei lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem Kinderfasching. Ab Anfang der 1950er Jahre wurde die FDJ im Zuge der „Entfaltung eines fröhlichen Jugendlebens“ zum Träger. Ihr Schlachtruf wurde: „Helau!“. Den Höhepunkt bildete damals ein großer Umzug mit zahlreichen Festwagen und Kapellen von der Fabrikstraße durch die Innenstadt über den Sonnenberg bis zum Theaterplatz.

Nach 1956 schlief das Interesse am „rheinischen Frohsinn“ in unserer Stadt ein und erwachte erst wieder nach der Wende mit der Eroberung des Rathauses und der damit verbundenen Schlüsselübergabe an den Vorsitzenden des Karnevalvereins ab dem 11. November 1995.

Zum Schluss noch eine erinnerungswerte Episode: Eine „Elferratssitzung“ fand auch einmal im sogenannten „Conti-Loch“ statt.