Der Konsum in der Markusstraße

aus VS Aktuell 3/2015, erschienen im  VS Aktuell   VS Aktuell 3/2015   Aus der Stadtgeschichte 

Die bedeutendste Konsumenten-Selbsthilfe-Organisation in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung war die Konsum-Genossenschaft. Ihre Wiege stand vor anderthalb Jahrhunderten in Chemnitz. Denn 1866 gründeten sie 34 Arbeiter der Chemnitzer Aktienspinnerei für den preisgünstigen Bezug von Lebensmitteln und zur Befriedigung weiterer Lebensbedürfnisse. Sie erreichte hier auch die größte Blüte in den Jahren der Weimarer Republik.

Nach der Wende war sie den harten Bedingungen der Marktwirtschaft nicht gewachsen und wurde 1994 in die Gesamtvollstreckung gezwungen.

Ein interessantes Zeugnis ihrer historischen Entwicklung finden wir auf dem Sonnenberg in der Markusstraße 36 in Gestalt einer attraktiven Hausfassade.

1868 erhielt der Chemnitzer Konsumverein, der sich inzwischen mit 548 Mitgliedern zum größten Sachsens entwickelt hatte, den Status einer Genossenschaft und trug von da an den Namen, der sich noch heute, von Putten umgeben, gut sichtbar, über dem Eingang der Markusstraße befindet: „Allgemeiner Consumverein von Chemnitz und Umgebung 

e. G. m. b. H.“

Im letzten Jahrzehnt vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Leitung des allgemeinen Konsumvereins dauerhaft in sozialdemokratische Hände übergegangen. Der Verein entwickelte sich zu einer Wirtschaftsmacht in der Region. 1895 besaß er für seine inzwischen 5.770 Mitglieder 13 eigene Verkaufsstellen und realisierte einen Umsatz von 1.219 700 Mark, sodass er eine Dividende von 13,5 Prozent zahlen konnte. In diesem Jahr begann mit einer Malzkaffee-Rösterei und einer Butterformerei die Phase der Eigenproduktion.

In dieser Situation fasste der Vorstand 1896 den Beschluss, die bisherige Geschäftsstelle Waisenstraße 2 aufzugeben und ein neues repräsentatives Geschäftshaus mit ausgedehnten Lagermöglichkeiten zu bauen. Dazu wurde das Areal einer Ziegelei in der Markusstraße 32/34 erworben und dort 1896/1897 ein Neubau nach Plänen von Alfred Löser mit einem Kostenaufwand von 126.000 Mark errichtet.

1907 gingen kleinere Konsumvereine in den Allgemeinen Konsumverein von Chemnitz und Umgebung ein und es formierte sich dadurch ein Bezirkskonsumverein.

Damit war das Objekt Markusstraße den Anforderungen nicht mehr gewachsen und so erfolgte 1908/1909 der Ausbau eines 15.000 Quadratmeter großes Areals in der Melanchthonstraße als Zentralanlage des Konsums.