Robotik in der Seniorenresidenz

aus VS Aktuell 3/2015, erschienen im  VS Aktuell   VS Aktuell 3/2015   Gut gepflegt   Seniorenresidenz »An der Rädelstraße« 

Neue Therapiemöglichkeit mit Roboterkatze JustoCat bei fortgeschrittener Demenz

Menschen mit schwerer Demenz sind oftmals nicht mit herkömmlichen Mitteln zu erreichen. Die Emotionalität hingegen bietet dann häufig überraschende Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn z. B. ein Tier oder kleines Kind durch den Raum läuft. Nun sind nicht immer Tiere oder kleine Kinder verfügbar, um Pflegenden die Kontaktaufnahme zu erleichtern, dachten sich schwedische Forscher vor einigen Jahren und ersannen eine ungewöhnliche Alternative – eine interaktive Katze. 

Die interaktive Katze JustoCat wurde in Zusammenarbeit eines Robotik-Forschers, einer Pflegewissenschaftlerin und Pflegepersonal mit Expertise in der Betreuung von Menschen mit Demenz in Schweden entwickelt. Der Ausgangspunkt war die Annahme, dass viele Menschen angenehme Erinnerungen an den Umgang mit Katzen haben. Dies wurde verknüpft mit der Reminiszenz-Therapie, eine Form der Erinnerungsarbeit, die in der Aktivierung von Personen mit fortgeschrittener Demenz angewendet wird. Die Roboterkatze JustoCat soll die früher erlebten Emotionen wecken und kann auf diesem Weg zu einem erhöhten Wohlbefinden der Betroffenen beitragen.

Am 13. Juli besuchte Tobias Bachhausen die Seniorenresidenz „An der Rädelstraße“ in Plauen. Dort beschrieb er knapp 10 Teilnehmern die Arbeit mit der interaktiven Katze JustoCat anhand von praktischen Beispielen im häuslichen wie stationären Umfeld. 

In der Seniorenresidenz wird bereits seit einigen Wochen mit einer eigenen JustoCat gearbeitet. Die teilnehmenden Mitarbeiter freuten sich über zusätzliche und neue Inspirationen zu den Einsatzmöglichkeiten. 

Tobias Bachhausen arbeitet seit über fünf Jahren mit sozialen Robotern, wurde über die Jahre mehrfach von TV-Teams für Dokumentationen seiner Arbeit begleitet und gilt als anerkannter Ansprechpartner für den verantwortungsvollen und professionellen Einsatz von künstlichen Tieren bei Menschen mit Demenz oder Handicaps. Er steht im engen Austausch mit Pflegeprofis, Forschern und Herstellern. Aus der eigenen praktischen Arbeit mit Menschen mit Demenz kann er über seine Erfahrungen berichten und die Vor- und Nachteile echter Tiere im Vergleich zu Tierrobotern vermitteln. Sein Ziel ist, die positiven Effekte der tiergestützten Arbeit bei vielen Menschen auch dann zu erreichen, wenn nicht mit echten Tieren gearbeitet werden kann – als Ergänzung zum echten Tier, nicht als Ersatz.