Die Polizei in der Zöllnerstraße

aus VS Aktuell 1/2016, erschienen im  VS Aktuell   VS Aktuell 1/2016   Aus dem Stadtverband 

Am Vormittag des 25. November 2015 war der Veranstaltungsraum im Stadtteiltreff Zöllnerstraße bis auf den letzten Platz belegt. Der Grund: Polizeihauptmeisterin Kathy Seyferth von der Polizeidirektion Chemnitz war nach einem Jahr wieder zu Gast. Diesmal hatte sie Informationen zu den Themen Raubüberfall und Taschendiebstahl dabei. An praktischen Beispielen vermittelte sie Wissen und frischte Besprochenes aus der Vorjahresveranstaltung auf. Unter anderem beleuchtete Kathy Seyferth folgende Schwerpunkte:

Die „Polizei“ an der Wohnungstür: Es klingelt jemand an der Tür und gibt vor, von der Polizei zu sein. Er zeigt einen Ausweis, hat vielleicht sogar eine Uniform an. Sie haben die Brille grad nicht dabei und schon lassen Sie ihn vertrauensvoll in ihre Wohnung. Trotz Uniform und Dienstausweis kann es sich um einen Betrüger handeln. Deshalb Vorsicht!

Aber wie sieht denn nun eigentlich der Polizeidienstausweis aus? In allen deutschen Bundesländern ist er anders gestaltet. Hier in Sachsen ist er blau mit einem dunkelblauen Rand. Kriminalpolizisten (meist in Zivil) müssen zusätzlich noch eine Dienstmarke mit einer Nummer vorweisen. Sind Sie sich unsicher, rufen Sie im Polizeirevier an und fragen nach.

Wer wird raubüberfallen? In der Überzahl sind es ältere Menschen. Die Täter beobachten das Opfer, ordnen es ein. Weißes Haar, gebeugte Haltung, vielleicht noch ein Stock – leichte Beute, wenn dann die Tasche nur über der Schulter hängt …

Niemand rechnet mit einem Überfall, oft ist man abgelenkt. Der Täter kommt von hinten und reißt die Tasche weg. Er rennt oder ist mit einem Fahrrad unterwegs. Falsch ist es, in diesem Moment die Tasche festzuhalten, weil Sie dadurch einen Sturz mit vielleicht unangenehmen Folgen erleiden könnten.

Hinweise: Tragen Sie die Tasche über Kopf und Schulter vor dem Körper. Nehmen Sie nur so viel Geld mit, wie Sie tatsächlich brauchen und lassen Sie ihren Personalausweis zu Hause. Es besteht keine Mitführpflicht mehr.

Taschendiebe nutzen gern die Hilfsbereitschaft älterer Menschen aus. Mit einem Stadtplan und der Frage nach einem Ort, sind sie abgelenkt, ihre Hände halten den Plan und der Dieb kann in Ruhe ihre Taschen durchsuchen.

Diebesbanden sind hervorragend organisiert: Einer rempelt Sie an oder bekleckert Sie „aus Versehen“ mit Eis oder Glühwein, der Zweite fängt Sie auf, will Ihnen vermeintlich helfen, der Dritte stiehlt Ihre Börse und übergibt sie dem Vierten, der damit schnell verschwindet.

Thema Geldkarten: Achten Sie stets auf den sicheren Umgang. Bei einem Diebstahl bekommen Sie den nach der Sperrung entstandenen Schaden von Ihrer Bank ersetzt. Gestohlenes Bargeld bekommen Sie dagegen nicht erstattet. 

Übrigens wird Ihnen schon aufgefallen sein, dass manchmal in den Geschäften keine PIN mehr benötigt wird. Die Abforderung der PIN ist für die Geschäfte mit Kosten verbunden: 1 Euro pro Vorgang, ohne kostet es nur einen Cent-Betrag. Ob eine PIN abgefragt wird, liegt im Ermessen des Kassierers. Es wird Dieben damit sehr einfach gemacht, mit gestohlenen Karten einzukaufen.

Oft, so Kathy Seyferth, kommt es zu Diebstählen in Einkaufscentern, weil unachtsam die Tasche in den Einkaufswagen gelegt wird. Abgelenkt durch das Suchen nach einer bestimmten Ware, lässt man den Wagen nur kurz aus den Augen. Besonders beliebt bei den Dieben sind die Eingangsbereiche der Kaufhallen. Hier befindet sich die Obst-und Gemüseabteilung. Gern sucht man sich hier die schönsten Stücke aus – Augen und beide Hände sind beschäftigt, der Wagen mit der Tasche beiseitegeschoben. Ein kurzer Moment und der Dieb ist über alle Berge.

Bei den bekannten Ausfahrten zum Kaffeetrinken sollten Sie ein ehemals sehr beliebtes Utensil wieder hervorkramen, empfiehlt Kathy Seyferth: Den Taschenhalter, diese kleine etwas aus der Mode gekommene Scheibe mit dem Haken zum Aufhängen der Tasche an der Tischplatte. Er ist praktisch und ihr Tischnachbar wird sofort bemerken, wenn plötzlich die Tasche nicht mehr an seiner Wade zu spüren ist.

Welche Ausweise und Karten man dabei haben sollte und welche besser zu Hause aufbewahrt werden u.a.m. erklärte die Polizeihauptmeisterin, so dass die Veranstaltung in die Verlängerung ging. 

Viele der Anwesenden stellten Fragen oder berichteten von eigenen Erlebnissen. 

In dieser angeregten Atmosphäre war der Vormittag schnell vergangen. Die Anwesenden gingen um einiges klüger und mit mehr Sicherheit und Achtsamkeit im künftigen Alltagsverhalten aus dieser Veranstaltung.

Ein Dank an das Team des Stadtteiltreffs, das alles organisiert und liebevoll vorbereitet hatte, und an Kathy Seyferth.