„Wir alle sind der Träger, wir alle sind Volkssolidarität, wir alle sind ein Team.“

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23. Verbandstag der Volkssolidarität Chemnitz

Am 30. November 2017 waren die Delegierten der Wohngruppen zum 23. Verbandstag der Volkssolidarität Chemnitz eingeladen. Auf der Tagesordnung standen neben den Berichten und der Entlastung des Vorstandes auch die Verlängerung von Beschlüssen.

Bericht des Vorstandes und der Geschäftsführung

Im Bericht des Vorstandes und der Geschäftsführung gingen der Vorsitzende Andreas Lasseck und Geschäftsführerin Ulrike Ullrich auf die Entwicklung des Vereins im Geschäftsjahr 2016 ein und gaben einen Ausblick auf 2017 und 2018.

Der Vorsitzende berichtete, dass sich der Vorstand im Berichtzeitraum bei sieben Sitzungen über die wesentlichen Entwicklungen des Vereins beraten und Beschlüsse gefasst hat. Im Blick sei dabei auch seine Rolle als Gesellschafter gewesen. So könne die bereits 1997 auf Initiative des Stadtverbandes gegründete VHN Hausnotruf GmbH über 6.000 Teilnehmer am Hausnotruf verzeichnen. Durch das 2000 beschlossene Engagement im Bereich der stationären Pflege biete der Stadtverband eine wichtige soziale Leistung für ältere Menschen an. Man habe sich für eine neutrale Bezeichnung der Gesellschaften entschieden, da die Einrichtungen zumeist in Gebieten liegen, in denen bereits Verbände der Volkssolidarität tätig sind, mit denen eine enge Zusammenarbeit gepflegt wird.

Im Blick habe der Vorstand stets die Mitglieder, eine der drei tragenden Säulen der Volkssolidarität, und ihre Betreuung durch den Verein. Viele Wohngruppen haben sich für die Umsetzung der neuen Beitragsordnung der Volkssolidarität engagiert. Bereits Ende 2016 lag der Durchschnittsbeitrag bei 2,82 €.

Dem Alter geschuldet würden viele Mitglieder ihre ehrenamtlichen Funktionen in den Leitungen der Wohngruppen niederlegen müssen. Das Fachgebiet Mitgliederbetreuung setzt sich mit diesem Thema auseinander, um dieser Entwicklung zu begegnen. Vorstellbar seien bspw. zeitlich befristete Patenschaften durch junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Der Vorsitzende rief die Delegierten dazu auf, sich mit Hinweisen und Ideen aus der Mitgliedschaft an diesem gemeinsamen Weg zu beteiligen. 
Der altersbedingte Rückgang der Mitgliederzahlen bei den Verbänden der Volkssolidarität habe auch Auswirkung auf die Finanzierung des Landesverbandes und des Bundesverbandes. Bei den Diskussionen in den Verbandsebenen sei der Chemnitzer Stadtverband mit seinen Erfahrungen und seinen langjährig agierenden Mitarbeitern und Mitgliedern ein kompetenter Gesprächspartner. So wirkt bspw. die Geschäftsführerin des Stadtverbandes in einer Arbeitsgruppe des Bundesverbandes mit, in welcher Inhalte, Aufgaben und Strukturen des Verbandes erarbeitet werden, um anschließend mögliche Finanzierungsmodelle diskutieren zu können. 

Auch auf der sächsischen Landesebene gibt es in Arbeitsgruppen eine Strukturdiskussion. Derzeit liegt bei den Vorständen der Stadt-, Kreis- und Regionalverbände ein Papier, welches zur Landesdelegiertenversammlung im Jahr 2018 beschlossen werden soll.

Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene stände fest, dass die Volkssolidarität nach außen sichtbarer werden und sich noch stärker auf der sozialpolitischen Ebene in die Gesellschaft einbringen müsse. 

Der Vorsitzende bedankte sich bei den anwesenden Delegierten, dass sie dem Verein stets treu zur Seite stehen. Der Dank gelte ebenso den Mitgliedern der Wohngruppenleitungen und den Volkshelfern, die das Fundament des Vereines bilden, auf dem Vorstand und Geschäftsführung aufbauen können. Andreas Lasseck bedankte sich weiterhin bei den Mitgliedern des Vorstandes, die sich nicht nur ehrenamtlich in den Verein einbringen, sondern zudem sehr viel Verantwortung tragen. Er freut sich, dass Gabriele Reichel, die ehemalige Qualitätsmanagementbeauftragte des Vereins, gegenwärtig in die Vorstandsarbeit „hineinschnuppere“, um perspektivisch Mitglied des Vorstandes zu werden. 

 

Anschließend übernahm Geschäftsführerin Ulrike Ullrich das Wort. Sie verwies darauf, dass die Vielschichtigkeit des Vereins in seinen Bereichen und Leistungsfeldern in einem Referat nicht umfassend dargestellt werden kann. Die Mitglieder könnten jedoch nicht nur über die Mitgliederzeitschrift VS Aktuell, sondern zudem über die Internetseite des Vereins und seit einigen Jahren auch über Facebook einen lebendigen Eindruck erhalten. Gerade über die digitalen Medien werden viele jüngere Menschen erreicht und die Volkssolidarität Chemnitz kann sich als traditionsbewahrender und dennoch moderner Verband darstellen. 

In ihrer Rede ging sie daher auf wesentliche Entwicklungen der einzelnen Fachgebiete und sozialen Dienstleistungsangebote und insbesondere auf die neuen Projekte ein. Bei diesen spielte u. a. für die Kindertagesstätten die Betreuung der Kinder und ihrer Familien mit ausländischen Wurzeln eine wichtige Rolle. Neben Sprachbarrieren weisen einige Kinder Verhaltensauffälligkeiten aufgrund des Erlebten auf. Hier konnte der Stadtverband mit zwei geförderten Projekten ansetzen. 
So konnten im Rahmen des Projektes „Integration von Kindern mit Migrationshintergrund“ nicht nur Kinder und Eltern bei der Integration in ihrer neuen Heimat unterstützt werden, sondern auch die Mitarbeiter der Kindertagesstätten für interkulturelle Besonderheiten sensibilisiert werden. Das Projekt wurde vom Freistaat Sachsen gefördert, begann im April 2016 und wurde 2017 fortgesetzt. 

Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel der Welt ist“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kommt Kindertagesstätten zugute, die einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf betreuen. Allen Kindern in den teilnehmenden Kindertageseinrichtungen soll ein sprachanregendes Umfeld geschaffen und die pädagogischen Fachkräfte sowohl für die theoretischen Grundlagen, als auch praktischen Umsetzungsmöglichkeiten professioneller sprachlicher Bildung sensibilisiert werden. Für die Kindertagesstätte „Sonnenbergstrolche“ ergibt sich dank des Förderprogramms die Möglichkeit, sprachliche Bildung im Kindergartenalter noch professioneller gestalten zu können. 

Ein „Blick über den Tellerrand“ bot sich einigen Erziehern mit dem Förderprogramm „Erasmus + - Grenzüberschreitende Lernmobilität für Erzieherinnen und Erzieher“. Gemeinsam mit dem Projektpartner Euroculture aus dem italienischen Vicenza wurde eine Bildungsreise zur frühkindlichen Erziehung durchgeführt. Die Teilnehmer nahmen an Seminaren sowie Hospitationen in verschiedenen Einrichtungen der frühkindlichen Bildung in Vicenza, Verona und Venedig teil und erhielten Impulse und Anregungen für ihre Arbeit in der heimischen Kindertagesstätte, konnten Vergleiche ziehen, Parallelen herstellen und sich austauschen. 
Ein weiteres Projekt konnte 2016 mit Fördermitteln des Freistaates Sachsen begonnen werden: Mit „CULTRA – Projekt für kulturellen Austausch“ sollte die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen sowie Asylsuchenden in der Stadt Chemnitz gefördert werden sowie ein Beitrag für ein weltoffenes und tolerantes Miteinander in der Stadt geleistet werden. Im Rahmen des Projektes wurden Informations- und Beratungsangebote, musikalische, spielerische und kreative Nachmittage und Abende sowie zahlreiche unterhaltende Feste und Feiern an verschiedenen Orten und in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen durchgeführt. 2017 konnte das Projekt weitergeführt und ausgebaut werden. Aufgrund des erforderlichen hohen Eigenanteils bei einer Weiterführung des Projektes für drei Jahre ab 2018 haben Vorstand und Geschäftsführung von der Beantragung einer weiteren Verlängerung jedoch leider Abstand nehmen müssen.

Auch die Mitwirkung an Aktionen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen ist ein Bestandteil des Wirkens der Volkssolidarität Chemnitz. Seit vielen Jahren erfreuen sich die Kindertagesstätten in Trägerschaft der Volkssolidarität Chemnitz einer sehr guten Auslastung, so auch im Jahr 2016. Der Freistaat Sachsen hat den Betreuungsschlüssel von 13 auf 12,5 und im Jahr 2016 auf 12 Kinder je Erzieher geringfügig verbessert. In der Praxis wirke sich dies jedoch kaum aus. Daher setzt sich die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Chemnitz, in der die Volkssolidarität Chemnitz aktiv mitwirkt, weiterhin mit Aktionen wie zum Weltkindertag am 20. September im Stadthallenpark oder im Dezember 2016 mit „Licht aus – Bildungsplan an“ für die dringend notwendige Verbesserung des gesetzlich festgeschriebenen Betreuungsschlüssels ein. 

Der in Deutschland anhaltende Fachkraftmangel stelle vor allem im Bereich der Pflege die Personalabteilung weiterhin vor große Herausforderungen dar. Bei der Personalgewinnung würde sie daher ganz neue Wege gehen. So wurde bspw. ein Radio-Spot produziert, der u. a. in Chemnitz und Dresden gesendet wurde. Bezüglich der Gewinnung ausländischer Mitarbeiter sei sich die Volkssolidarität Chemnitz treu geblieben, habe bestehende Projekte weitergeführt und neue ergänzt. So konnten u. a. junge Menschen aus Albanien eine Ausbildung beim Verein beginnen. Des Weiteren war die Personalabteilung erneut auf Jobmessen in Deutschland und in Prag vertreten.

Die Mitarbeiterzufriedenheit sei ein wichtiges Thema. Hierzu wurde mit dem Bewertungsunternehmen „Attraktiver Arbeitgeber Pflege“ eine Befragung geplant und durchgeführt. Diese ergab bspw., dass von den Mitarbeitern die Dienstplanung zumeist als fair und nachvollziehbar eingeschätzt wird. Auch die Unterstützung bei Fort- und Weiterbildungen und die Möglichkeit, übertragene Aufgaben selbstständig und ohne ständige Kontrolle auszuführen, wurden von den Befragten geschätzt. Die teilnehmenden Einrichtungen haben das Siegel „Geprüft als Attraktiver Arbeitgeber Pflege“ erhalten. Da die Mitarbeiter von zwei Sozialstationen im Branchenvergleich besonders positiv bewertet haben, wurde diesen beiden Einrichtungen durch das Bewertungsinstitut die Auszeichnung „Attraktiver Arbeitgeber Pflege“ verliehen, den die betroffenen Mitarbeiter mit Stolz entgegennehmen konnten.

Anschließend bedankte sich Ulrike Ullrich bei allen haupt- und ehrenamtlichen Kollegen und stellte an das Ende des Berichtes die Worte der Personalleiterin Melanie Tuchscherer, die einige Wochen zuvor zu einer Angehörigen sagte: „Wissen Sie, der Verein hat für die Einrichtungen Leiter eingesetzt. Zudem helfen viele Menschen in ihren Funktionen haupt- und ehrenamtlich mit, dass die Arbeit vor Ort gut ausgeführt werden kann […] Wir alle sind der Träger, wir alle sind Volkssolidarität, wir alle sind ein Team.“

Beschlüsse

Nach den folgenden Berichten des Steuerberaters und des Revisors schloss sich eine Diskussion an. Nachfolgend bestätigten die Delegierten die Referate des Vorstandes und der Geschäftsführung, die Berichte des Steuerberaters und des Revisors sowie den Geschäftsbericht für das Jahr 2016 und entlasteten für dieses Geschäftsjahr den Vorstand.

Weiterhin beschlossen sie die Verlängerung der Beschlüsse des 18. Verbandstages zur Umsetzung der Ehrenordnung des Bundesverbandes sowie zur Auszeichnung ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Ausreichung von Dankeschön-Urkunden, die bereits beim 20. Verbandstag verlängert wurden, erneut bis zum 31. Dezember 2020:

  • Ehrung langjähriger Mitgliedschaften: Eine Ehrennadel erhalten diejenigen Mitglieder, die 40 oder in 10-Jahres-Schritten und mehr ununterbrochen Mitglied der Volkssolidarität sind. Überreicht werden diese durch Vorstand und Geschäftsführung zu einer jährlich stattfindenden Festveranstaltung. Können zu ehrende Mitglieder daran nicht teilnehmen, erfolgt die Übergabe durch die Wohngruppen. Für 25 Jahre ununterbrochene Mitgliedschaft wird die Urkunde durch die Wohngruppe überreicht.
  • Ehrung ehrenamtlicher Mitarbeiter: Ehrenamtliche Mitarbeiter können für eine mindestens 2-, 5-, 10-, 15-jährige (usw.) regelmäßige Tätigkeit im Verein und in den Wohngruppen eine Dankeschön-Urkunde überreicht bekommen. Diese muss die Wohngruppe mit einem Formular beim Fachgebiet Mitgliederbetreuung beantragen (Vorlauffrist: 4 Wochen). Die Übergabe der von Vorstand und Wohngruppenleitung unterzeichneten Urkunde erfolgt in einem würdigen Rahmen durch die Wohngruppenleitung.