Die „Rose von Jericho“ – wundersames Original und zauberhafte „Kopie“

Wer noch nie eine „Rose von Jericho“ vorher selbst gesehen hat, könnte möglicherweise verwundert reagieren. Schließlich erweist sich dieses Gewächs nicht als Blütenrarität, sondern als krautiges Gebilde einer fernen Wüstenregion – ein Knäuel kleiner Ästchen. 

Die im getrockneten Zustand angebotenen „Wüstenrosen“ gibt es in zwei Varianten. Die echte „Rose von Jericho“ (Anastatica hierochuntica), aus dem mittleren Osten stammend, wird eher seltener im Handel angeboten. Hauptsächlich wird Selaginella lepidophylla als Handelsware in Umlauf gebracht, welche ebenfalls als „Jericho-Rose“ vermarktet wird. Daher gibt es auch noch weitere Bezeichnungen, u. a. „Auferstehungsblume“. Selaginella wird in Mexiko angebaut.

Beide Arten haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Sie sind perfekt an das Überleben in der heißen Wüste angepasst und rollen bei längerer Dürre ihre Triebe ein. Als geschlossenes Knäuel schützen sie somit ihre Samen. Regnet es nach langer Zeit wieder einmal, dann öffnet sich die Pflanze und gibt diese zum Keimen im feuchten Sand frei.

Ich möchte anmerken, dass man zum Zwecke des Verschenkens bewusst seine Aufmerksamkeit auf               die sogenannte unechte „Jericho-Rose“, also Selaginella lepidophylla, richten sollte. Denn nur diese Art zeigt sich bei ihrer „Wiederbelebung“ auch tatsächlich in einem schönen Grün. Das „Original“, Anastatica hierochuntica, bleibt bräunlich und ist daher nicht so attraktiv. Beide zeigen das wunderbare Erlebnis ihrer Entfaltung. Dazu wird das trockene „Pflanzen-Knäuel“ in eine flache Schale mit warmem Wasser gelegt. Es ist ausreichend, wenn die Unterseite der Pflanze mit Wasser in Kontakt steht. Um den Vorgang des „Aufblühens“ zu beschleunigen, könnte man das Krautgebilde auch vorher etwas überbrausen. Jedoch nimmt man sich einiges von der „Auferstehungszeremonie“, welche sonst zwischen anderthalb und zwei Stunden benötigt. Der Zeitfaktor hängt zudem vom jeweiligen Raumklima ab. In wärmeren Zimmern geht es zügiger. Das Wunder geschieht allerdings rein physikalisch. Die Pflanzenzellen füllen sich beim längeren Feuchtigkeitskontakt mit Wasser und die kleinen Ästchen kommen in Bewegung. Diese biegen sich nach außen und die Rosette öffnet sich. 

Bitte beachten: Das Wasser der Schale ist möglichst täglich zu wechseln und nach maximal einer Woche sollte die „Rose von Jericho“ wieder zum vollständigen Abtrocknen gelangen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich an den krautigen Teilen Schimmel bildet. Nach rund zwei Wochen Trocknungsphase, bspw. in Heizungsnähe oder auf einem sonnigen Fensterbrett, kann die „Rose“ zur Aufbewahrung verpackt werden. Dafür reicht Zeitungspapier aus. Damit die getrockneten Pflanzenteile nicht abbrechen, sollte sie in einen kleinen stabilen Karton eingepackt werden. Bitte keine Plastegefäße verwenden, da diese nicht atmungsaktiv sind. Übrigens ist die „Jericho-Rose“ ein sehr nachhaltiges Geschöpf, denn man kann sie mit der beschriebenen Nass- und Trockenperiode immer wieder zum Leben erwecken – und das über viele Jahre, gar Generationen. In manchen Familien ist der Glücksbringer sogar zu einem Erbstück geworden.

Die „Rose von Jericho“ findet man in vielen religiösen Legenden, u. a. soll sie Christus in der Wüste das Leben vor dem Verdursten gerettet haben, da sie ihm Morgentau spendete. Er segnete in Dankbarkeit diese Pflanze und sie blieb zu seiner Lebenszeit immer grün und blühte. Mit seinem Tod wurde sie braun und rollte sich zusammen. Als Christus von den Toten auferstand, erblühte auch die „Rose von Jericho“ wieder. So steht sie für die Auferstehung oder als Hoffnungssymbol für trostlose Zeiten. Mancherorts soll sie als Grabbeigabe verwendet worden sein.

Traditionen und Brauchtum folgend, wird die „Rose von Jericho“ vor allem an Weihnachten und Ostern zum Leben erweckt. 
Zur Silvesternacht aufgestellt soll sie ihren Besitzern zu Gesundheit, Glück und Wohlstand verhelfen. Das „heilige“ Wasser aus der Schale der Erblühten wurde für Rituale genutzt und ihr Sud in der Volksmedizin als heilkräftig erachtet. 

Hierzulande kann man sie gelegentlich über Kräuterhändler, Gartenmärkte, esoterische Veranstaltungen oder vor allem auch auf Weihnachtsmärkten erhalten. Diese Pflanzen tragen allerdings als Ware kein Leben mehr in sich, funktionieren offenbar dennoch in alle Ewigkeit.

Tipp: Nutzen Sie die „Rose“ als originelle Geschenk-Verpackung. Machen Sie aus ihr eine wahre Zauberpflanze. Das geht ganz einfach. Dazu als erstes das Kraut zum Leben erwecken und sich öffnen lassen. Dann legt man ein kleines feuchtigkeitsresistentes Geschenk, bspw. einen Ring oder eine Münze, hinein und leitet die Trocknungsphase ein. Mit etwas Vorbereitungszeit lässt sich ein ganz individuelles Geschenk erstellen, eine geheimnisvolle Zauber-Rose. 

aus VS Aktuell 4/2020, erschienen im  VS Aktuell 4/2020   Blumen- und Gartentipps