Ernährung im fortgeschrittenen Alter

aus VS Aktuell 4/2006, erschienen im  VS Aktuell 4/2006   Tipps vom Apotheker 

Unser Angebot an Nahrungsmitteln ist reichhaltig und abwechslungsreich. In Deutschland bräuchte keiner mehr zu hungern. Umso erschreckender sind die Ergebnisse verschiedener Studien, nach denen bis zu zwei Drittel der älteren Menschen mangelernährt sind. Obwohl der Zusammenhang zwischen Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden allgemein bekannt und unbestritten ist, findet die ausgewogene und angemessene Ernährung alter Menschen kaum Beachtung. Probleme bei der Nahrungsaufnahme, Appetitlosigkeit oder ein erhöhter Nährstoffbedarf werden häufig gar nicht oder viel zu spät wahrgenommen. Der Begriff „Lebensmittel“ kommt nicht von ungefähr: Ohne ein Mindestmaß an Energie und Nährstoffen, die wir über unsere Nahrung aufnehmen, kann unser Organismus seine körperlichen und geistigen Funktionen nicht aufrechterhalten. Führen wir dem Körper nicht ausreichend Nährstoffe zu, drohen Schwächezustände sowie Störungen im Stoffwechsel mit ernsthaften Folgeerkrankungen. Zudem steigt das Risiko für Infekte. Für eine Mangelernährung im Alter gibt es verschiedene Ursachen, z.B. folgende: - Durst, Hunger und Appetit lassen mit steigendem Alter nach - Kauschwierigkeiten, da die „dritten Zähne“ häufig nicht so funktionstüchtig sind - Nährstoffe, vor allem Vitamine, werden bei älteren Patienten nicht mehr so gut vom Körper aufgenommen - durch Krankheiten, wie z.B. Diabetes mellitus, besteht ein erhöhter Bedarf an bestimmten „Bausteinen“ - Probleme bei der Fortbewegung bereiten Schwierigkeiten beim Einkauf und der Zubereitung der Mahlzeiten - Verdauungsprobleme, da Magen und Darm weniger gut funktionieren Die pauschale Aussage, der Körper brauche im Alter weniger Nahrung, ist ein Trugschluss. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) formulierten zehn Regeln für eine vollwertige Ernährung gelten prinzipiell für alle gesunden Menschen, ganz gleich welcher Altersgruppe. Da jedoch mit zunehmendem Alter der Energieumsatz des Körpers sinkt, werden weniger von denjenigen Nährstoffen benötigt, aus denen der Körper Energie gewinnt. Das sind in erster Linie Kohlenhydrate und Fette. Der Bedarf an Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen bleibt hingegen hoch oder steigt sogar an. Deshalb sollten Nahrungsmittel gewählt werden, die fett- und kalorienarm sind, aber ansonsten eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. Hilfreich ist es daher, Essen und Trinken bewusst zu planen und einen Essrhythmus zu finden.

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE:

1. Vielseitige Kost, d. h. angemessene Kombination aus

   nährstoffreichen und energiearmen Lebensmitteln

2. Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln

3. Viel frisches Gemüse und Obst

4. Täglich Milch und Milchprodukte, ein bis zwei Mal in der Woche Fisch, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen

5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel

6. Zucker und Salz in Maßen

7. Reichlich Flüssigkeitszufuhr (1,5-2l/Tag)!!!

8. Essen schmackhaft und schonend zubereiten

9. Nehmen Sie sich Zeit, genießen Sie Ihr Essen

10. Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung

Wer richtig isst, hat auch im Alter mehr Spaß am Leben, weil er gesünder, leistungsfähiger und damit fröhlicher bleibt!