Gemeinsam statt einsam - Ein Tag in der Begegnungsstätte Clausstraße

aus VS Aktuell 1/2008, erschienen im  VS Aktuell 1/2008   Mitarbeiter vorgestellt 

Bereits zum vierten Mal bin ich nun schon unterwegs, um einen Mitarbeiter aus dem Verein bei seiner täglichen Arbeit zu begleiten. Heute schau ich Jana Kraus über die Schulter, welche seit zwei Jahren die Begegnungsstätte auf der Clausstraße leitet.
Als ich um kurz vor 9.00 Uhr die Einrichtung erreiche, bin ich nicht die Erste. Einige rüstige Rentnerinnen stehen ebenfalls am Eingang und freuen sich auf ihre Gymnastikstunde, welche für viele seit einigen Jahren zum Alltag gehört. Ich werde schon erwartet und von Jana Kraus freundlich begrüßt. Während sie mir die Begegnungsstätte zeigt, erzählt sie mir viele interessante Dinge über ihre Arbeit und ihre Aufgaben. Zusammen mit Martina Jakob, welche ebenfalls in der Einrichtung tätig ist, organisiert sie Veranstaltungen, kümmert sich um die Gäste der Begegnungsstätte und hat immer ein offenes Ohr für ihre Probleme. So erzählt sie mir von einem älteren Ehepaar, welches zum ersten Mal in dessen langjähriger Ehe Streit hatte und sie um Hilfe bat – schon nach kurzer Zeit war alles vergessen und vergeben.
Als wir zu den fitten Damen der Gymnastikgruppen stoßen, werden wir mit einem großen „Hallo“ begrüßt und zum Mitmachen animiert. Die Anweisungen der Physiotherapeutin sind klar und leicht verständlich und alle sind mit großem Eifer dabei – da schwingt dort ein Arm und dort ein Bein.
Um 9.30 Uhr kommt eine ältere Dame vorbei, um sich über das Programm und die Veranstaltungen der Begegnungsstätte zu informieren. Die Seniorin möchte etwas Abwechslung in ihren Alltag bringen, da sie sich zu Hause einsam fühlt. Sehr engagiert erzählt Jana Kraus der Rentnerin von dem vielfältigen Veranstaltungsprogramm ihrer Begegnungsstätte und versichert ihr, dass hier niemand einsam bleibt. Schnell wird man sich einig, dass der Peperoni Club genau das Richtige für die rüstige Dame ist. Denn vor allem Bewegung möchte die Frau in ihren Alltag bringen, so gehört das Wandern, aber auch alle Formen des Tanzens zu ihren großen Hobbies.
Jana Kraus erzählt mir, dass jeder Tag in der Einrichtung anders gestaltet ist und sehr abwechslungsreich sein kann. So stehen nicht nur Sport, Gesang und Kreativität auf dem Plan, sondern auch viele Sonderveranstaltungen, wie Textil- und Floristikverkäufe, Grillabende, Videonachmittage, aber auch Infoveranstaltungen über fremde Länder, Musiknachmittage und Feiern zum Frauentag erfreuen sich großer Beliebtheit. Dabei ist die Leiterin der Begegnungsstätte froh, dass sie auf die Hilfe einiger ehrenamtlicher Mitarbeiter zählen kann.
Während sie sich um die Abrechnung der letzten Woche kümmert, geselle ich mich zu der Gruppe des Gedächtnistrainings, welche von der Sozialarbeiterin des Hauses betreut wird. Auch hier werde ich von allen aufgefordert mit teilzunehmen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, alle plaudern miteinander und es wird herzlich gelacht. Nachdem wir einige Rätselübungen gelöst haben, muss ich mit einen Schmunzeln feststellen, dass einige der Rentner schneller die Lösungen parat hatten als ich.
In der Zwischenzeit ist Jana Kraus damit beschäftigt, den Speiseraum herzurichten. Sie erzählt mir, dass sich die Mittagsversorgung sehr großer Beliebtheit erfreut und die Begegnungsstätte mittlerweile ca. 40 Teilnehmern verzeichnen kann und das sieben Tage die Woche. Nach und nach treffen die Seniorinnen und Senioren ein – jeder hat hier seinen Stammplatz und das auch schon seit langer Zeit. Jetzt muss es schnell gehen, denn alle sind hungrig. Die Leiterin der Begegnungsstätte und Martina Jakob flitzen wie die Wirbelwinde durch die Küche. Da wird das Essen auf den Tellern angerichtet, danach serviert, zwischendurch noch schnell abgewaschen und bei Bedarf auch noch Kaffee ausgeschenkt. Als alle versorgt sind, haben die Beiden sich eine Verschnaufpause verdient, doch nicht immer ist Zeit dazu. Gerade als eine der Beiden mir erzählt, wie ruhig es heute ist, klopft es schon wieder an der Tür – Nachschub ist gewünscht. Während noch einige Gäste der Begegnungsstätte bei einem Cappuccino und einer netten Unterhaltung verweilen, geht es in der Küche noch immer hektisch zu. Jetzt muss alles abgewaschen, verstaut und erneut Vorbereitungen für die anstehende Chorprobe getroffen werden.  Alles verläuft ohne Probleme und in kurzer Zeit strahlt die Küche, denn die beiden Frauen sind ein eingespieltes Team, helfen und unterstützen sich gegenseitig. Dabei erzählt mir Jana Kraus, dass sie ihre Arbeit liebt und der Umgang mit den älteren Menschen ihr große Freude bereitet.
Ich stelle fest, dass sehr viel Organisationstalent dazu gehört, wenn gleichzeitig die Skatspieler, der Handarbeitszirkel und der gemischte Chor in den Räumen der Begegnungsstätte ihrem Hobby nachgehen. Denn um 13.00 Uhr beginnt die Skatrunde ihr Spiel. Regelmäßig treffen sich vier ältere Herren und eine Dame, um gemeinsam einen geselligen Nachmittag zu verbringen – da wird gereizt, Trümpfe ausgespielt
und auf viele Stiche gehofft. Nur kurze Zeit später treffen die Damen des Handarbeitszirkels ein und auch die Sängerinnen und Sänger des gemischten Chores sind pünktlich in der Einrichtung. Meistens ist der  große Raum mit bis zu 75 Personen gefüllt. Nachdem sich alle mit einem Kaffee, einem Glas Saft oder ein paar Wienern gestärkt haben, kann die Probe beginnen.
Wo eben noch ein lautes Durcheinander war, herrscht plötzlich Stille und auf einmal ertönen die schönsten Volkslieder, die mit viel Gefühl von den Sängerinnen und Sängern des Chores vorgetragen werden. In der Zwischenzeit erledigt Jana Kraus Änderungen in der Essenbestellung und bespricht mit Martina Jakob die Planung für die nächsten Tage. Noch einmal müssen die beiden in der Küche Schnelligkeit beweisen. Denn in wenigen Minuten ist die Chorprobe beendet und dann will jeder mit Kaffee, Kuchen und Brötchen versorgt sein. Nachdem alle gesättigt sind, wird es ruhig in der Begegnungsstätte. Nacheinander verlassen die Senioren die Einrichtung und freuen sich schon auf das nächste Mal, denn mit Jana Kraus, ihrer Mitarbeiterin und den ehrenamtlichen Helfern haben sie einen Platz gefunden, wo sich jeder wohlfühlt und alle gemeinsam statt einsam sind.