Die Volkssolidarität als Interessenvertreter

aus VS Aktuell 1/2009, erschienen im  VS Aktuell 1/2009   Aus dem Verein 

„Was macht eigentlich die Volkssolidarität in einer Zeit, in der die sozialen Unterschiede immer stärker werden, für die ärmeren Menschen unserer Gesellschaft?“ Solche und ähnliche Fragen werden von den Mitgliedern des Verbandes oft gestellt. VS Aktuell führte aus diesem Grund ein Interview mit Regina Ziegenhals, der Vorsitzenden des Volkssolidarität Stadtverband Chemnitz e.V.

 

  • Frau Ziegenhals, die Volkssolidarität stellt sich selbst nicht nur als Mitglieder- und Wohlfahrtsverband dar, sondern bezeichnet sich auch als sozial-politischer Interessenvertreter. Wen vertritt die Volkssolidarität?

 

Zunächst natürlich die Interessen der vielen Mitglieder der Volkssolidarität. Es sind bundesweit immerhin über 300.000 Menschen, die in unserem Verband organisiert sind.

Darüber hinaus betreut die Volkssolidarität mit ihren vielfältigen sozialen Dienstleistungen und Einrichtungen Menschen von Jung bis Alt. Dazu gehören sowohl die Kinder und Jugendlichen, die in den Kindertagesstätten und in Jugendclubs der Volkssolidarität betreut werden und die zum Teil aus armen und problematischen Familien kommen, als auch die Senioren, die Dienstleistungen wie Betreutes Wohnen oder das kulturelle Angebot der Begegnungsstätten wahrnehmen sowie die vielen pflegebedürftigen Menschen, die von unserem Verband versorgt werden.

  • Wie sieht die Interessenvertretung der Volkssolidarität in der Praxis aus?

 

Einen großen Anteil dieser Aufgabe übernimmt der Bundesverband der Volkssolidarität.

Es vergeht kaum eine Woche, an dem dieser nicht eine Pressemitteilung herausgibt und darin Stellung zu Entwicklungen im sozialen Bereich nimmt. Die Themen reichen dabei von der Schulbildung bis hin zur Rentenpolitik. Dass die Meinung der Volkssolidarität dabei auch von Interesse ist, zeigen die zahlreichen Beiträge in den Medien, in denen der Verband zitiert wird.

Der Brennpunkt unter den vielfältigen Themen, zu denen die Volkssolidarität etwas zu sagen hat, ist die zunehmende Armut in der Bevölkerung. Jedes Jahr rückt der Verband dieses Thema in den Mittelpunkt, in dem er den Sozialreport veröffentlicht. Das Medienecho auf den Bericht ist immer wieder recht hoch.

Um nicht jedoch nicht immer nur über die Probleme zu reden, sondern zu handeln, spricht der Bundesvorstand auch bei den Entscheidungsträgern unseres Staates vor und bringt eigene Vorschläge ein.

  • Wie sieht die Interessenvertretung in der Stadt Chemnitz aus?

 

Auch auf Stadtverbandsebene geschieht so einiges, um die Mitglieder zu unterstützen und Menschen zu helfen, die eine Hilfe benötigen. Dabei sind die Aktivitäten der Volkssolidarität in Chemnitz weniger mit der Politik verbunden, sondern vielmehr durch den direkten Umgang mit den Menschen geprägt. Auch hier kann ich aufgrund der Fülle nur einige wenige Beispiele nennen:

Die Struktur der Volkssolidarität ermöglicht es beispielsweise, dass fleißige ehrenamtliche Mitglieder sich kostenlos im Rahmen der Nachbarschaftshilfe um hilfebedürftige Menschen kümmern, die sich sonst aus finanziellen Gründen keine professionelle Unterstützung leisten könnten. Im Jahr 2007 wurden knapp 16.000 solcher Stunden erbracht. Diese Art von Nachbarschaftshilfe bei der Volkssolidarität dürfte in der Bundesrepublik einmalig sein.

Ein weiteres Beispiel: Viele der hochbetagten Mitglieder und Bürger sind einsam, weil ihre Kinder aufgrund der Arbeitsmarktpolitik weggezogen sind. Für diese und für alle interessierten Bürger investiert der Stadtverband jedes Jahr eine nicht unerhebliche Summe in den Erhalt und die Betreibung der Begegnungsstätten. In diesen können sie Gemeinschaft und Geselligkeit erfahren und das zu humanen Unkostenbeiträgen und Preisen. Nicht selten sagen uns Besucher dieser Einrichtungen, dass sie hier wieder einen Lebensinhalt gefunden haben und sie „aufgefangen“ wurden.

Erst im Herbst 2007 half der Stadtverband der „Chemnitzer Tafel“. Diese musste dringend umziehen, doch ein neues Domizil war nicht in Sicht. Wie die vielen bedürftigen Menschen, die jeden Tag auf die Lebensmittelspenden der Chemnitzer Tafel angewiesen sind, zukünftig versorgen? Hier bot der Stadtverband seine Hilfe an, lies diese in die Räumlichkeiten der Zwickauer Straße 247 einziehen. Im vergangenen Jahr erfolgte dann die aufwendige Sanierung der Räumlichkeiten. Diese wurde wie auch die Listensammlung 2008, mit der die Baukosten teilweise refinanziert werden konnten, gemeinsam mit den Leitungsmitgliedern der Wohngruppen besprochen. Erschreckend war, dass so mancher aus diesem Personenkreis uns mitteilte, dass auch seine Kinder und Enkel regelmäßig an der Chemnitzer Tafel anstehen, um etwas zu Essen zu haben.

Das sind jetzt nur ein paar Beispiele, wie sich die Volkssolidarität für die bedürftigen Chemnitzer Bürger einsetzt. Wir hoffen, dass wir künftig ihre Interessen noch besser vertreten können.

  • Wie soll das geschehen?

 

Vor einigen Wochen wandten sich einige engagierte Mitglieder und Mitarbeiter des Stadtverbandes mit der Bitte an den Vorstand, die Bildung einer Wählervereinigung unter dem Namen der Volkssolidarität zu unterstützen. Das haben wir getan und mittlerweile gibt es eine Reihe von jungen und älteren Bewerbern, die sich bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 zur Wahl stellen wollen.

  • Was verspricht sich die Chemnitzer Volkssolidarität davon?

 

Einige der Kandidaten sind Mitarbeiter des Stadtverbandes und kennen die Probleme unserer Betreuten am besten. Lassen Sie mich das anhand eines Beispieles kurz erklären: Unter den Bewerbern sind zwei Leiterinnen von Kindertagesstätten des Stadtverbandes – Ursula Hennig von den „Glückskäfern“ im Schlossviertel und Katrin Thomas von den „Sonnenbergstrolchen“. Aufgrund ihrer täglichen Arbeit kennen die beiden nicht nur sehr gut die zum großen Teil verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen von Kindertagesstätten, sondern erleben hautnah auch die Nöte und Sorgen der Eltern, die sich leider viel zu oft auch auf die Kinder auswirken. Das wird besonders in der Kindertagesstätte auf dem Sonnenberg deutlich. Hier sind viele Eltern von Hartz IV abhängig. Bei ihnen ist das Geld knapp, häufig sind sie auch überschuldet. Diese Probleme ziehen oft auch andere Schwierigkeiten nach sich, die Familien sind oft instabil und können den Kindern nicht den notwendigen Halt und Schutz geben. Mit diesen Problemen sieht sich nun auch die Kindertagesstätte konfrontiert, kann aber aufgrund der nicht ausreichenden Rahmenbedingungen nicht optimal darauf reagieren.

Um auf diese Probleme hinzuweisen, haben die Mitarbeiter der Kindertagesstätte „Sonnenbergstrolche“ vor einiger Zeit einen offenen Brief an Stadträte und Politiker geschrieben. Aber Briefe werden kaum gelesen und kaum diskutiert. Anders wäre es jedoch, wenn Frau Thomas als Stadträtin direkt bei den Entscheidern die Probleme ansprechen könnte. Außerdem könnte sie sich von Angang an in Diskussionen einbringen, von denen man ansonsten meist nur das Ergebnis erfährt.

  • Die Volkssolidarität ist als eine Organisation bekannt, die sich besonders um die älteren Bürger kümmert. Kann sie auch diese im Stadtrat vertreten?

 

Natürlich. Und das besonders gut. Der Stadtverband betreibt verteilt auf fast alle Chemnitzer Stadtgebiete Begegnungsstätten und einige Begegnungsstättenleiter kandidieren auch für den Stadtrat. Auch sie kennen aus ihrer tagtäglichen Arbeit die Nöte und Sorgen ihrer Gäste. Sie wissen, wo eine Bushaltestelle fehlt, wo eine Kaufhalle geschlossen wird und nun keine mehr in erreichbarer Nähe ist, wo ein altersgerechtes Angebot fehlt, wo eine soziokulturelle Einrichtung erhalten bleiben sollte und wo das eine oder andere noch besser werden kann.

  • Die Volkssolidarität hat also besonders viel Kompetenz im sozialen Bereich. Wie sieht es aber mit den anderen Bereichen aus?

 

Wir haben noch andere Bewerber auf dem Wahlvorschlag stehen, die sogar teilweise nicht Mitglied in der Volkssolidarität sind. Diese bringen andere Erfahrungen mit, haben ihre eigenen Kompetenzen, treten aber dennoch für das soziale Ansinnen unseres Verbandes ein.

  • Wie kann man die Volkssolidarität bei ihren Aktivitäten unterstützen?

 

Zunächst einmal, in dem man Mitglied der Volkssolidarität wird, sich vielleicht auch ehrenamtlich engagiert, sei es bei der Nachbarschaftshilfe oder auch durch die Mitarbeit in einer unserer Einrichtungen. Vielleicht finden Sie auch noch weitere Mitstreiter, die sich für andere einsetzen und sich für diese stark machen.

In Chemnitz können Sie zudem die Wählervereinigung Volkssolidarität unterstützen, indem Sie Ihren Freunden, Bekannten und Verwandten erzählen, dass es sie gibt. Und unterschreiben Sie bis zum 17. April für einen der Bewerber, der im Wahlkreis Ihres Wohnortes antritt, in der ausliegenden Liste im Chemitzer Rathaus. Und vor allem: Gehen Sie wählen und geben Sie Ihre Stimmen den Kandidaten der Volkssolidarität!

  • Vielen Dank für das Gespräch