Helga Meier

Helga und Fritz Meier sowie Christine Fankhähnel (von links) mit der Ausstellung ihres Malzirkels zum „Bunten Herbstlaub“

„Welche Farbe könnte ich denn als Hintergrund für mein Septemberbild nehmen, Helga?“, fragt Ursula Paust. Den ersten Herbstmonat hat sie in ihrem ‚Kalender zum Selbstgestalten’ mit einer blauen Weintraube und dazugehörigem Laub vom Rebstock symbolisiert. „Nimm doch das Grün von den Blättern und vielleicht ein bisschen Gelb. Hell muss es sein“, rät die Gefragte. Ursula probiert es mit den hellen Tönen. Gut. Ihren Kalender will sie einer Freundin zum Weihnachtsfest schenken. Blätter und Früchte der Eiche gestaltet Christina Kühnert für einen noch zu bestückenden Bilderrahmen zu Hause, und Wolfgang Krüger zaubert auf ein großes weißes Blatt einen bunten Blumenstrauß. Ein Haus mit Torbogen, wie es in südlichen Gefilden steht, malt Hanni Schramm, mit 84 Jahren die Älteste in der Runde. Den Kreis im Raum des Malzirkels der Begegnungsstätte Regensburger Straße vollenden Helga und Fritz Meier. Zwei Gruppenmitglieder fehlen an diesem dritten Oktobermontag wegen Krankheit und einer Reise. Die mittelgroße, schlanke  Helga mit dem Bubikopf und einer markanten dunklen Brille arbeitet an einem Bild, das herbstbunte Bäume vor einem blauen Haus zeigt. Ihr Mann rahmt seine in hellbraunen Tönen gehaltene Bastei-Brücke und hängt sie dann zu den sieben bereits gefertigten Gemälden des Arbeitskreises in dessen ‚Atelier’ auf Zeit.
Auch die Korridore und andere Räume der Begegnungsstätte haben die Laienkünstler, die fast alle Rentner sind, mit ihren Arbeiten ausgestaltet. So leuchtet im Pflegebad roter Mohn von einem Wandbild. Und zum Thema der Interkulturellen Wochen ‚Miteinander statt gegeneinander’ schmückten die Frauen und Männer einen Flur mit verschiedenen Ansichten von Menschen aus Asien und Afrika.               
Helga Meier leitet die Gruppe von acht Hobby-Malerinnen und -Malern seit dem Sommer 2005. Das Ehrenamt hat sie von der wegen Arbeitsgründen  ausgeschiedenen Ursula Zimmermann übernommen, damit die Gemeinschaft erhalten blieb, wie sie sagt. Sylvia Oschätzchen, Leiterin der Begegnungsstätte äußert dazu: „Ich habe sie damals darum gebeten, weil sie das meiste Talent hat.“ Das werde von allen anerkannt.
Dieses Talent habe sie wahrscheinlich vom Großvater Peter Seiler, einem bekannten Chemnitzer Porzellanmalermeister, geerbt, denn ihre Eltern malten nicht, meint Helga. Schon als Dreijährige habe sie dem Opa sehr aufmerksam zugeschaut, wie er mit verschiedenen Dekors, Blumen und Tieren glattweißes Porzellan schmückte. Zu Beginn der 40er Jahre hat sie dann als Zwölfjährige selbst kleine Kinderbilder gefertigt, die ihre Mutter zum Verkauf brachte. Ihr in späteren Jahren weiter gereiftes Talent zeigte sich unter anderem im vergangenen Frühjahr, als sie mit einem Aquarell beim Wettbewerb „Der gemalte Sonnenberg“ den zweiten Platz unter mehr als 50 Teilnehmern errang. Ihr Malzirkel beteiligte sich  daran mit sieben Bildern.
Sie bedauert ein  bisschen, dass sie während ihres Arbeitslebens beim pharmazeutischen Großhandelsbetrieb „Andre Noris Zahn“ in der Straße der Nationen, dann als mithelfende Ehefrau in der Orthopädieschuhmacherei ihres Mannes in der Ludwigstraße und als Auswerterin im Lotto-Betrieb auf der Zschopauer Straße die künstlerischen Ambitionen stark zurückstecken musste. Um so mehr freut sie sich, dass ihre Tochter Sylvia (57) ebenfalls sehr gern malt.
Wer die Meiers zu Hause in der Augsburger Straße besucht, versteht, wenn Helga von sich sagt: „Malen ist meine Leidenschaft. Ohne Malen könnte ich schlecht leben.“ In fast allen Räumen hängen ihre Bilder und doch ist die Wohnung damit nicht überladen. Eine  Kopie des „Schokoladenmädchens“ von Liotard  begrüßt den Gast im Wohnzimmer. Weitere Bilder lehnen sich an große Meister wie Picasso an. Drei Konterfeis zeigen ihre Enkel, und als Rötelzeichnung entdeckt man in einem Nachbarraum das Porträt ihres Mannes.
Seit Helga und Fritz nicht mehr berufstätig sind, beteiligen sich beide an Malzirkeln. Dabei lernten sie viel, unter anderem von der Malerin Renate Rieß. Den Kreis in der Begegnungsstätte Regensburger Straße hatten sich die langjährigen Mitglieder der Volkssolidarität 2003 vor allem wegen der für sie günstigen Verkehrsverbindung ausgewählt. Und wie alle, die hier mitmachen, haben sie Spaß am kreativen Wirken in der Gemeinschaft, wollen sie die montäglichen Zusammenkünfte alle zwei Wochen nicht mehr missen. Ebenso bereitet es den malenden Acht Freude, anderen eine Freude zu machen, so mit ihren Ausstellungen im Foyer der Stadthalle zum „Bunten Herbstlaub“. Zwei wunderschöne Blumenbilder haben sie der Begegnungsstätte in der Scheffelstraße für deren Wellnessraum geschenkt und gegenwärtig sind ihre Werke zur Winterzeit in ihrem „Stammhaus“ zu sehen.