Rosenhof – gestern und heute

aus VS Aktuell 2/2010, erschienen im  VS Aktuell 2/2010   Aus der Stadtgeschichte 

Der Rosenhof ist sicher den meisten Chemnitzern ein fester Begriff. Doch wie steht es mit den Kenntnissen  über seine Historie?
 Den Ausgangspunkt bilden der einstige Roßmarkt und der frühere Holzmarkt. Beide Plätze lagen, wie der vom Geometer Johann Paul Trenckmann im August 1761 angefertigte „Grundriss des Weichbildes der Stadt Kemnitz“ beweist, innerhalb der mauerumwehrten befestigten Stadt. Zu ihnen gelangte man von außen (aus Richtung der heutigen Zwickauer Straße) durch das Niclas-Tor. Und über sie erreichte man den Hauptmarkt. Das Areal beider Märkte gehörte seiner städtischen Einteilung nach zum St. Johannisviertel.
 Die Namen der beiden Plätze resultierten aus dem spezifischen Handel, der dort im Mittelalter betrieben wurde. War es auf dem Roßmarkt der Handel mit Pferden und anderen Tieren, so war es auf dem Holzmarkt der Handel mit Hölzern der verschiedensten Art. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung findet sich im Geschoßbuch der Stadt Chemnitz von 1495. Denn in diesem Nachweis der Steuereinnahmen aus der Zeit von 1495 bis 1504 ist auch die Position „Neyn am Roßmargkt“ verzeichnet. Im Spätmittelalter gehörten beide Märkte nach dem Marktbuch von 1770 zu den reichsten Wohnrevieren der Stadt. Sie zählten zusammen 37 Hausgrundstücke, auf denen 22 Handwerker, darunter vier Tuchmacher, zwei Goldschmiede, ein Zinngießer, ein Kürschner und ein Seifensieder, ihre Gewerke ausübten.
 Beide Märkte sind aber außer ihrer kommerziellen Zweckbestimmung durch ihre eben nicht unbedeutenden Bezüge zur Stadtgeschichte charakterisiert. So besaßen die Grimmaer Augustinermönche ein Terminarierhaus auf dem Holzmarkt. Auf dem Roßmarkt hatte der letzte Abt des Benediktinerklosters (heute Schlossbergmuseum), Hilarius von Rehburg, von der Säkularisierung des Klosters bis zu seinem Tode 1551 seinen Wohnsitz. Im Siebenjährigen Krieg waren auf dem Roßmarkt besonders geschichtsträchtige Bauten präsent. 1805 wurde hier als erstes Haus am Platze das „Hotel de Saxe“ errichtet. „Es genügte“, wie seine erste Besitzerin Wiesner erklärte, „allen Ansprüchen vornehmer Reisenden und hoher Herrschaften“. Das zweistöckige Hotel besaß 22 Fremdenzimmer, einen Saal, wo die Gäste täglich speisen konnten, vorzüglich ausgestattete Gasträume und Stallungen für 28 bis 30 Pferde. Im Hof des Hotels entstand das „Aktientheater Chemnitz“, das am 6. April 1806 seine erste Vorstellung gab. Es war das erste feste Theater in Chemnitz und existierte hier bis zu seiner Übersiedlung in das Gasthaus „Zur Sonne“ im Jahre 1828. Ab 1818 befand sich in unmittelbarer Nähe die erste eigenständige Chemnitzer Posthalterei. Hier mussten vom Posthalter Christian Friedrich Wiesner bis zu 20 Pferde bereitgehalten werden, um die wöchentlich 14 fahrenden und 9 reitenden Posten sicherzustellen.
 Nach einem Jahrzehnt Postverkehrsdienst erfolgte die Verlegung der Posthalterei zum Neumarkt.
 Am 28. November 1827 erhielten die inzwischen 600 Katholiken der Stadt die königliche Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Kirche. Daraufhin kaufte das Apostolische Vikariat am 4. Februar 1828 für 12.680 Reichstaler das Terrain der ehemaligen Posthalterei auf. Am 12. Oktober 1828 wurde dann hier die St. Johann-Nepomuk-Kirche geweiht und zudem eine katholische Schule eingerichtet. Beide fielen 1945 den Luftangriffen zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut.
 In der Gründerzeit veränderten beide Plätze ihr Gesicht. Der Roßmarkt verwandelte sich in einen baumumsäumten Schmuckplatz. Sichtbarstes Zeichen war der, anlässlich der 750-Jahrfeier von Chemnitz, am 9. Juli 1893 eingeweihte „Saxonia-Brunnen“. Die sich auf einem Postament aus schwedischen Granit erhebende bronzene Saxonia galt als die Beschützerin von Industrie und Handel. Die Statuen eines Schmiedes und einer Spinnerin zu ihren Füßen symbolisierte die örtliche Industrie. Die Statuen wurden 1943 als „Metallspende“ für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Zugleich entstanden repräsentative Geschäftshäuser. So lag gleich am Eingang zum Holzmarkt das renommierte Textilgeschäft Wilhelm Flade. Hier befanden sich das kunstgewerbliche „Dürer-Haus“, das 1882 gegründete erste Spezialgeschäft der Kaffeebranche, die „India-Kaffee-Groß-Rösterei“ von Adolf Weber, Tabakwaren Homilius und das Reformhaus Wimmer. Auf dem Holzmarkt eröffnete am 17. September 1881 das Modehaus Königfeld & Co. sein erstes Chemnitzer Geschäft. Auf dem Roßmarkt hatte sich das Damen-Konfektionsgeschäft Wertheimer niedergelassen. Hier befand sich der Hauptsitz der Firma Gustav Gerstenberger, die unter den ersten Unternehmen der Papierbranche in Deutschland rangierte, verbunden mit einer attraktiven Kunsthandlung. Positioniert hatte sich auf dem Roßmarkt auch der Königlich-Sächsische Musikalienhändler C. A. Klemm, das bedeutendste Piano-, Harmonium- und Flügelmagazin am Ort, das ständig bis zu 60 Instrumente am Lager hatte. Hier waren auch Bankfilialen angesiedelt, wie die Allgemeine Creditanstalt und die Sächsische Bank zu Dresden. Ein nicht alltägliches Ereignis verzeichnete der Holzmarkt am 2. November 1930. An diesem Tag erlebte in den dortigen Regina-Lichtspielen der Film „Der Sohn der weißen Berge“ seine deutsche Erstaufführung. Das Außergewöhnliche dabei war, dass der Hauptdarsteller, das in den 1920er und 1930er Jahren populäre, urwüchsige und legendäre Tiroler Idol, Luis Trenker, zugegen war und mit den Zuschauern Gespräche über seine Erlebnisse führte.
 Beide Plätze wurden im März 1945 fast vollständig zerstört. Die Geburtsstunde für den heutigen Rosenhof an ihrer Stelle schlug, als die Stadtverordneten von Karl-Marx-Stadt 1962 den „Plan zum Wiederaufbau des Stadtzentrums“ beschlossen und bis 1965 in die Tat umsetzten. Es entstand ein von Verkaufs- und gastronomischen Einrichtungen umschlossener Platz, dominiert von einem fünfzehngeschossigen Hochhaus. Er erhielt am 8. Mai 1965 seinen Namen von hierher verpflanzten Rosenstöcken aus den Märtyrerorten des Zweiten Weltkrieges Auschwitz, Lidice, Oradour und St. Petersburg sowie aus den Partnerstädten Irkutsk, Pasardisk und Tampere.
 Nach der Wende erfolgte eine nochmalige Umgestaltung, verbunden mit archäologischen Ausgrabungen, zu dessen Symbol das „Türmer-Geschäftshaus“ wurde. Es ist auf historischen Grund errichtet. Denn hier hatte seit dem 16. Jahrhundert einer der ältesten Chemnitzer Gasthöfe, der „Güldene Bock“ seinen Standort. Ihn schmückte seinerseits die Inschrift: „Dis Haus steht in Gottes Handt, zum ´Güldenen Bock` Ist Es genanndt. 1656.“ Der Gasthof bestand bis in das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Danach ergriff der Handel von dem Grundstück Besitz. Die Neugestaltung des Rosenhofes ließ durch den „Güldenen Bock“ als Flachbau mit Laubentrakt, symbolisiert durch einen springenden Bock und ein aufgehängtes „gülenes Gehörn“, wiedererstehen. Seine Eröffnung erfolgte am 14. Dezember 1968. Mit der erneuten Umgestaltung des Rosenhofes erfolgte für die beliebte gastronomische Stätte im Jahre 2000 der Abriss. Heute bieten uns Hochbeete und Wasserspiele eine angenehme Ruhezone im Großstadtgetriebe.