65 Jahre „miteinander – füreinander“

65 Jahre Volkssolidarität – das sind 65 Jahre im Zeichen der Solidarität für und mit den Menschen. Einst aus der Nachkriegsnot ins Leben gerufen, gehört die Volkssolidarität heute zu den großen Wohlfahrtsverbänden Deutschlands. Einige Mitglieder sind seit vielen Jahren dabei. Ihre Erinnerungen und Geschichten sind besonders wertvoll. Sylvie Uhlmann hat sie aufgeschrieben.

Drei Generationen Volkssolidarität
Erzählt von Eva Richter, Wohngruppe 071


Als 1945 der Krieg zu Ende und jeder glücklich war, dem Inferno entkommen zu sein, besannen sich die Menschen wieder auf sich und ihre Nachbarn. Trotz Hunger und Zerstörung regte sich wieder das Leben. Auch der Stadtteil Borna hatte tiefe Narben. Auf der Wittgensdorfer Straße reihte sich Bombentrichter an Bombentrichter. Viele Häuser waren völlig oder teilweise zerstört. Die Villa „Fricke“ gehörte zu den Gebäuden, die nur wenig beschädigt wurden. Die Familie hatte die Stadt verlassen und das Haus stand leer. Doch einige Findige stellten fest, dass aus den noch stehenden Räumen etwas zu machen sei und begannen mit den Aufräumarbeiten. Immer mehr Nachbarn kamen, um zu helfen. Auch meine Großmutter, meine Mutter, meine jüngere Schwester und ich beteiligten sich an den Arbeiten. Wir verräumten und putzten Ziegel, beklebten Fensterrahmen mit Pappe, da nicht alle verglast werden konnten, und machten sauber. Als eines der wenigen Häuser hatte die Villa auch noch eine funktionierende Heizung. Eine Organisation, die sich Volkssolidarität nannte, hatte sich gegründet und das Vorhandene genutzt und eine Wärmestube eingerichtet. Zusätzlich wurden Kinder in den Räumlichkeiten betreut und eine Nähstube eröffnet. Da meine Großmutter gelernte Schneiderin war, interessierte sie sich besonders dafür. Als wir im Schuppen auf dem Grundstück des zerstörten Hauses meiner Großmutter ihre alte Nähmaschine fanden, war die Freude groß. Mit dem Puppenwagen transportierten wir sie nach Hause, reparierten sie und Großmutter ging für viele Stunden in die Nähstube. Es gab allerhand zu tun. Vor allem Kindersachen mussten geflickt und geändert werden. Oft brachte sie noch Arbeit mit nach Hause und alle halfen mit. Damals, im Alter von 15 Jahren, kam ich erstmals mit der Volkssolidarität in Kontakt. Natürlich war meine Großmutter inzwischen Mitglied der Volkssolidarität geworden. Bis zu ihrem Tod 1957 blieb sie ihr treu.
 Auch meine Mutter ist später eingetreten und als ich 1958 die FDJ verließ, wurde auch ich Mitglied in der Volkssolidarität.
 Es war 1978, die Trümmer waren längst beseitigt, als in der ehemaligen Gaststätte „Albertsburg“ auf der Wittgensdorfer Straße ein Klub der Nationalen Front eingerichtet wurde. Auch die Volkssolidarität war dort mit integriert. Gemeinsam wurden Veranstaltungen organisiert und Mittagessen für die Alten ausgegeben. Meine Mutti war inzwischen krank und schwach geworden und zog sich immer mehr zurück. Die Wohnung verließ sie so gut wie nie. Da fiel mir der Mittagstisch der Volkssolidarität ein. Kurzerhand  meldete ich sie an. Nach langem Zögern zog sie doch noch los. Von Tag zu Tag ging sie mit mehr Freude, machte sich hübsch, besuchte Vorträge und Veranstaltungen, traute sich sogar wieder Einkaufen zu gehen. Dank der Volkssolidarität hatte sie ihre Lebensfreude wiedergefunden. Als meine Mutter 1983 nach einem schlimmen Sturz die Wohnung gar nicht mehr verlassen konnte, wurde ihr bis zu ihrem Tod das Essen ins Haus gebracht.   
 Auch nach der Wende gab es viele Veränderungen in der Volkssolidarität. Seit ich 1989 in Rente gegangen war, versuchte ich im Verein etwas mitzuhelfen. Als 1990 die Stadtteile durch das Sozialamt und den neuen Wohlfahrtsverbänden aufgeteilt und einzelnen Organisationen zugewiesen wurden, ging vieles kaputt. Wie viele andere Stadtteile wurde auch Borna einer anderen Gemeinschaft zugeteilt. Da wir damit nicht einverstanden waren, begannen wir damit, unsere Wohngruppe wieder neu aufzubauen. Wir schafften es, 186 Mitglieder bei uns zu zählen. Als 1993 der Vorsitzende unserer Gruppe verzog, erklärte ich mich bereit, die Leitung zu übernehmen. Ohne die Hilfe meiner vielen Helfer wäre mir das wohl nicht gelungen. Monatlich organisieren wir ein Treffen, bei dem wir uns austauschen können. Wir versuchen zu helfen, wo es nur möglich ist. Die gegenseitige Unterstützung, das Mit- und Füreinander ist uns besonders wichtig. Ich hoffe, dass es mir gelingt, wie meiner Großmutter und Mutter, den Gedanken der Volkssolidarität „Miteinander – Füreinander“ gerecht zu werden.

Mein Leben mit der Volkssolidarität
Erzählt von Elvira Oschatz, Wohngruppe 002

Es war 1947, als ich als junge Frau in meinem Wohnort Mohsdorf von Mitgliedern der Volkssolidarität angesprochen wurde. Jedem war es ein Bedürfnis, so kurz nach dem Krieg zu helfen. So kam auch ich der Bitte nach, als Kassiererin für die Volkssolidarität durch mein Dorf zu ziehen. Bis 1960 ging ich mit meiner Sammelliste zu den Bürgern und kassierte Beiträge. 1960 zog ich mit meinem Mann und meinen Kindern nach Chemnitz. Zu dieser Zeit war ich auch Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD). In Chemnitz wurde mir dann der Vorsitz einer Wohngruppe angeboten. Doch als Dörflerin in einer Großstadt wollte ich das nicht. Muss man doch seine Mitglieder alle kennen. Aber den Posten als Hauptkassiererin wollte ich gerne übernehmen. Unsere Gruppe reichte damals von der Augustusburger Straße über die Moritzstraße bis hin zur Annaberger Straße. Später wurde die Wohngruppe verkleinert. Auch mein Sohn half damals mit beim Kassieren. Für meine Familie gehörte die Volkssolidarität immer zum Leben dazu. Meine Kinder sind mit ihr aufgewachsen.
 Noch im selben Jahr kam Hanne Poser auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, den künftigen Veteranenklub auf der Zieschestraße 25 als Leiterin zu übernehmen. Ich war sofort von der Idee begeistert, organisierte ich doch schon immer gern Veranstaltungen und hatte gern viele Menschen um mich herum. In der ehemaligen Gaststätte „Friedensburg“ an der Ecke Holbeinstraße wurde der Treffpunkt für die ältere Generation eingerichtet. Anfangs machten die Räumlichkeiten allerdings keinen guten Eindruck. Die Elektrik musste erneuert werden und eine Firma übernahm die Malerarbeiten. Alle arbeiteten freiwillig und kostenlos. Möbel bekamen wir vom Stadtausschuss. Nun musste nur noch der stark abgenutzte Parkettfußboden auf Vordermann gebracht werden. Von irgendwoher wusste ich, dass dies besonders gut mit Stahlspänen gehen würde. Nach einigem Suchen fanden wir einen kleinen metallverarbeitenden Betrieb an der Augustusburger/Ecke Zieschestraße und konnten mehrere Handwagenladungen Stahlspäne unentgeltlich abholen. Drei Wochen lang schrubbten die Reinigungskraft Margarethe Strauch, ihre Tochter Jutta und meine Wenigkeit auf Knien und mit dicken Arbeitshandschuhen die Parkettriemen mit den Spänen sauber. Auch mein kleiner Sohn, damals drei Jahre alt, unterstützte uns tatkräftig. Für ihn war es ein großer Spaß, auf allen Vieren herumzukriechen. Pünktlich zum 15. Jahrestag der Volkssolidarität konnte der Klub eröffnet werden. Täglich kamen zahlreiche Menschen in unsere Einrichtung, um am Mittagstisch teilzunehmen oder eine der abwechslungsreichen Veranstaltungen zu besuchen. In Zusammenarbeit mit vielen Firmen wurden Musik- und Tanznachmittage organisiert, Buchlesungen und Vorträge durchgeführt und Geburtstage gefeiert. Wir wollten für die Alten in der Stadt ein abwechslungsreiches, kulturelles und preiswertes Programm schaffen. Die Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht, doch da wir bis spät abends geöffnet hatten, waren meine beiden Kinder oft allein und ich entschied mich, die Stelle aufzugeben.
 Der Bezirkssekretär wusste von meiner früheren Tätigkeit im Finanzbereich und verschaffte mir eine Stelle im Bezirk als Helferin bei den Finanzen. Von 1962 bis 1969 war ich in diesem Bereich bei der Volkssolidarität tätig. Später orientierte man sich mehr und mehr auf die Betreuung hilfebedürftiger älterer und behinderter Menschen. Die Pflegerinnen in Karl-Marx-Stadt waren in Brigaden zusammengefasst. Vielen Rentnern ermöglichten erst diese Einsätze das Weiterleben in der eigenen Wohnung. Hier fand ich meine neue Aufgabe. Der Bezirk galt jedoch mit als Schlechtester im Bereich Hauswirtschaft und Essensversorgung. Die Entlohnung war sehr niedrig und die materiell-technischen Voraussetzungen waren oft unzureichend. Ich hab mir zur Aufgabe gemacht, diesen Zustand zu ändern. Mit Unterstützung vieler fleißiger Helfer gehörten wir nach einiger Zeit zu den Besten in der Betreuung von Hilfsbedürftigen.  
 Als dann die Wende kam, veränderte sich das Leben in der Volkssolidarität. Viele Helfer verließen die „Vosi“ und letztlich wurde unsere Wohngruppe aufgelöst. Doch es gab einige, denen war die Zukunft des Vereines nicht egal. Die einstigen Mitglieder wurden persönlich aufgesucht und zu einer erneuten Mitgliedschaft bewegt. So gründete sich unsere Wohngruppe wieder neu. Ich habe dann wieder mit dem Kassieren begonnen, was ich bis heute mit viel Freude mache. Auch mein Mann ist seit 1947 Mitglied und seit über 10 Jahren Revisor unserer Wohngruppe. Unser ganzes Leben war und ist geprägt von der Volkssolidarität. Ein Leben ohne sie kommt für uns nicht in Frage.

Seit 20 Jahren im Wohngruppenvorstand
Erzählt von Ursula Findeisen, Wohngruppe 007

Schon 1952 kam ich durch meine Mutti zur Volkssolidarität. Sie war als Kassiererin tätig und so trat auch ich ein. Es gab ja eigentlich keine Organisation, wo man nicht Mitglied war, wollte man doch seine Hilfe für alles anbieten. Da ich immer schon berufstätig war, erst als Lehrerin später arbeitete ich in einem Kinderheim, blieb kaum Zeit, sich mit der Volkssolidarität näher zu beschäftigen. Erst mit der Wende, als ich in Rente ging, wurde die Volkssolidarität mein neues Steckenpferd.
 Durch die damalige Vorsitzende der Wohngruppe, in welcher auch meine Mutter war, kam ich letztlich zu meiner heutigen Tätigkeit. Frau Sonntag kam regelmäßig zu meiner Mutti und brachte Karten für die eine Veranstaltung, dann wieder für die nächste. Alles musste immer sehr schnell gehen und ich dachte anfangs: Was ist das nur für ein Verein? Ich hatte einfach eine ganz falsche Vorstellung von dem Wirken der Volkssolidarität.
 Als wir dann in der Begegnungsstätte auf der Horststraße eine Versammlung hatten, wurde ich plötzlich darum gebeten, den Vorsitz zu übernehmen, da Frau Sonntag dies nicht mehr tun konnte. Ich dachte mir, wenn ich diese Position übernehme, dann muss sich einiges verändern. Ich habe mir dann mein eigenes System aufgebaut, bei dem alles gut organisiert ist. Ich schreibe Einladungen für Veranstaltungen, plane und  organisiere das kulturelle Programm unserer Wohngruppe 007 und leite meine Kassierer so an, dass sie über alles genau Bescheid wissen. Seit 20 Jahren versuche ich, gemeinsam mit vielen fleißigen Helfern die Wohngruppe aufrecht zu erhalten und für unsere Senioren ein abwechslungsreiches kulturelles Programm auf die Beine zu stellen. Mehrmals im Monat sind wir in den Begegnungsstätten auf der Scheffelstraße und der Horststraße zu Besuch. Gemeinsam mit den Bewohnern des Betreuten Wohnens der Mozartstraße und einigen Bewohnern des Pflegeheimes suchen wir die Begegnungsstätten auf und nehmen an verschiedenen Veranstaltungen und Zirkeln teil. Viele schöne Stunden haben wir schon miteinander verbracht und werden wir auch in Zukunft miteinander verbringen.

Das Mit- und Füreinander in der Volkssolidarität
Erzählt von Christa Neubert, Wohngruppe 056

Es war kurz vor der Wende, als mein Mann und ich in Rente gingen. Eines Tages bekamen wir Besuch von einer Mitarbeiterin der Volkssolidarität, die uns fragte, ob wir nicht Mitglied werden wollen. Anfangs waren wir von dieser Idee nicht sehr begeistert, fühlten wir uns doch noch recht jung und fit. Für uns war die Volkssolidarität schon immer ein Verein für die Alten gewesen. Doch schließlich ließen wir uns überreden und wurden Mitglieder.
 Zu unserem ersten Treffen der Wohngruppe, welches in unserem Patenbetrieb stattfand, fühlten wir uns anfangs nicht sehr wohl, kannten wir doch kaum ein anderes Mitglied, weil wir vor allem in Siegmar aktiv waren. Mit der Zeit wurde es dann aber besser, wir fühlten uns immer wohler und knüpften zahlreiche Kontakte. Unsere Wohngruppe hatte einen sehr gut funktionierenden Vorstand und unsere Vorsitzende war noch sehr jung, um die 30 Jahre. Sie hatte viele Ideen, überraschte uns immer mit Neuem und es wurde nie langweilig. Der Zusammenhalt in der Gruppe war einmalig.
 Dann kam der Tag, als unsere Hauptkassiererin ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen konnte. Da niemand ihre Position übernehmen wollte, habe ich mich dazu bereit erklärt, das Amt weiterzuführen. Ohne Hauptkassierer ist das Bestehen der Gruppe sehr schwierig. Schon am nächsten Tag stand die Frau mit allen erforderlichen Unterlagen vor meiner Tür und sagte: Hier hast du alles. Und dann ging es los. Die Arbeit machte mir großen Spaß, doch schon nach kurzer Zeit sollte eine neue Aufgabe auf mich warten. Unsere Vorsitzende bekam Knieprobleme, konnte immer seltener an Veranstaltungen teilnehmen, musste schließlich operiert werden und fiel ganz aus. So übernahm ich ihre Vertretung, immer mit dem Gedanken, dass es nur für kurze Zeit sei. Doch es sollte alles anders kommen.
 Als dann die Wende kam, veränderte sich vieles in der Volkssolidarität. Viele traten aus, wussten sie doch nicht, was auf sie zukommen würde und wie es weiter geht. Doch es ging weiter und die Mitglieder der Volkssolidarität in Karl-Marx-Stadt blieben nicht untätig. Der Wille, gute und bewährte Traditionen zu erhalten, bestärkte die Position, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen. Da ich den Vorsitz unserer Wohngruppe zu dieser Zeit vertrat, erlebte ich den Gründungstag des Stadtverbandes mit.
  Unsere Vorsitzende fand eine neue Arbeit, die sie sehr forderte. Sie hatte nur noch sehr wenig Zeit für die Volkssolidarität und musste schließlich ihre Position aufgeben. Da ich bereits einige Zeit lang ihre Aufgaben übernommen hatte, wurde ich kurzerhand zur neuen Vorsitzenden der Wohngruppe 056 gewählt.
 Unsere erste Aufgabe bestand darin, dass wir uns um die Alten kümmern und sie zum Bleiben bewegen sollten. In Folge verließen uns nur wenige Mitglieder und viele konnten auch wieder neu dazu gewonnen werden.
 Unser Vorstand funktionierte sehr gut. Es gab nur ein Problem: Wir hatten keine räumlichen Möglichkeiten, wo wir unsere Sitzungen hätten abhalten können. So trafen wir uns reihum in den einzelnen Wohnungen und hielten dort unsere Leitungssitzungen ab. Es war immer gemütlich und stets gab es Kaffee und belegte Brötchen. Es war eine sehr schöne Zeit, alle haben sehr gut zusammengehalten und jeder war für den anderen da. Natürlich hatten wir auch ein reges kulturelles Leben. Es lag mir am Herzen, etwas für die ältere Generation zu tun.
 Für Veranstaltungen nutzten wir den Klub auf der Semmelweisstraße. Es kamen immer viele Mitglieder. Oft reichten die Plätze nicht aus und wir mussten enger zusammenrutschen. Dann war es besonders schön. Diese Zusammengehörigkeit vermisse ich sehr. Inzwischen ist unsere Gruppe sehr geschrumpft und zu den Veranstaltungen kommen nur noch sehr wenige, da viele nicht mehr laufen können oder sehr krank sind. Ich habe noch so viele Ideen, doch sie umzusetzen ist kaum noch möglich.
 Unsere schönste Zeit hatten wir eigentlich zwischen 1994 bis 2004. Fünf- bis sechsmal im Jahr haben wir an Ausfahrten teilgenommen, haben ein Sommerfest veranstaltet, haben Geburtstage gefeiert. Damals entstand auch die Idee mit den kleinen Geschenken, die eigentlich gar keine waren. So bastelte ich für die Geburtstagskinder kleine Aufmerksamkeiten. Aus Müllbeuteln entstanden Hasen, aus Klammern eine Puppe, aus Topfreinigern eine Blume und Topflappen mussten als Blumentöpfe herhalten. Die Ideen sind mir nie ausgegangen und es wurden immer Dinge verwendet, die man später noch nutzen konnte. Alle freuten sich immer über diese kleinen Geschenke und viele haben sie sogar als Dekoration in ihrer Wohnung stehen.
 Zu Weihnachten komme ich ebenfalls meiner Bastelleidenschaft nach. So begann ich irgendwann, kleine Figuren, wie Engel, Schneemänner oder andere Figuren aus Styroporkugeln und Actimelbechern, zu basteln. Ich stricke dafür kleine Pullover und Mützen und male kleine Gesichter. Es ist immer sehr aufwendig, aber ich mache es gern. Und wenn ich die strahlenden Gesichter meiner Vosi-Freunde sehe, entschädigt das für all die Mühen.
 Das Miteinander und Füreinander wurde und wird bei uns immer groß geschrieben. Auch wenn die Veranstaltungen weniger geworden sind und immer weniger Freunde daran teilnehmen, sind wir doch eine Gemeinschaft und darauf bin ich stolz.

Wir halten durch – Gemeinsam schaffen wird das!
Erzählt von Manfred Rohner, Wohngruppe 046

Es war 1952, als ich Polizist wurde und von Bärenstein nach Lauter bei Aue versetzt wurde. 1954 kam eine kleine Werbegruppe der Volkssolidarität zu uns und warb um neue Mitglieder. Da ich mich als Polizist verpflichtet sah, mich zu engagieren, trat ich im Alter von 21 Jahren in die Volkssolidarität ein. Auch einige meiner Kollegen folgten diesem Aufruf und wurden ebenfalls Mitglied. Da wir in unserem Ort eine kleine Gruppe bildeten, wurde ich zusätzlich als Kassierer eingesetzt, ein Posten, den ich bis heute nicht aufgegeben habe. Viele meiner damaligen Bekannten fragten mich, warum ich denn in so einen Altenverein eintrete, ich sei doch noch so jung. Meine Antwort war immer die gleiche: Irgendwann bin ich ja auch mal alt. Doch es dauerte noch ein paar Jahre, bis ich regelmäßig am Mit- und Füreinander der Volkssolidarität teilnahm.
 Als meine Familie und ich 1981 in das Fritz-Heckert-Gebiet zogen, wurde gerade eine Wohngruppe der Volkssolidarität aufgebaut, welcher ich mich anschloss. Auch hier wurde ich Kassierer. Ruth Höppner, damals noch berufstätig, wurde unsere Vorsitzende, mit der ich seitdem eng zusammen arbeitete. Als dann die Wende kam, lösten sich viele Wohngruppen auf, sie zerfielen regelrecht. Doch wir wollten weitermachen, wir sagten uns: Wir halten durch. Mit Kassiererin Ingeborg Wolny versuchten wir zu dritt, in den folgenden Monaten das Wohngruppenleben aufrechtzuerhalten.
 Da wir zu dieser Zeit noch keine Begegnungsstätte hatten, wir aber trotzdem unsere Leitungssitzungen abhalten wollten, nutzten wir die Fahrrad- und Kinderwagenräume in einem der 11-Geschosser in unserem Wohngebiet. Wir richteten den Raum mit Möbeln ein, die wir von einem aufgelösten Betrieb erhielten, und machten es uns gemütlich. So konnte die Gruppe erhalten bleiben. Wir feierten in den Räumlichkeiten auch Geburtstage und andere Feste. Gastronomie oder Ähnliches war damals dort natürlich nicht vorhanden. Doch wir wussten uns stets zu helfen. Die Kaffeemaschine brachte eine Frau aus dem Haus mit, Andere kümmerten sich um belegte Brötchen und Kuchen. Schnell sprach sich herum, dass wir nicht aufgegeben hatten. Es kamen immer mehr Mitglieder aus anderen Wohngruppen zu uns. Aus diesem Grund haben wir auch heute noch Mitglieder in Einsiedel und auch in Neukirchen.
 Der Wunsch nach größeren Räumlichkeiten für unsere Veranstaltungen wurde immer stärker. Am Harthwald 3 gab es bereits für die Hausbewohner einige Räume zur kulturellen Nutzung. Auch wir durften gelegentlich unsere Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen dort durchführen. Jedoch musste dies immer genehmigt werden und am Ende wurde immer genau hingesehen, ob wir wieder einmal mit Stollen gekrümelt hatten. Schließlich übernahm die Volkssolidarität die Einrichtung und wir konnten ab 1992 unsere eigene Begegnungsstätte nutzen.
 Auch heute versuchen wir das Wohngruppenleben aufrecht zu erhalten. Wir organisieren Veranstaltungen, helfen, wo immer wir gebraucht werden. Reparaturen im Haushalt oder andere Hilfestellungen sind selbstverständlich. Das Füreinander und Miteinander leben wir tagtäglich.

aus VS Aktuell 3/2010, erschienen im  VS Aktuell 3/2010   Verein