Alternative Schädlingsbekämpfung an Zier- und Nutzpflangen

Pafft nur zum Wohle der Pflanzen: Gartenfreund und Stadtrat Andreas Wolf

Schildläuse sind sehr widerstandsfähig, können aber mit Spiritus bekämpft werden. (Makroaufnahme: it-management/de.wikipedia.org)

Liebe Pflanzenfreunde,
in der letzten Ausgabe unserer VS-Aktuell hatte ich ja versprochen, auf die Schädlingsbekämpfung an Garten- und Zimmerpflanzen näher einzugehen. Manch aufmerksamer Leser wird sich vielleicht gefragt haben, was Gartenfreund Wolf auf dem gezeigten Foto wohl mit der Zigarre darstellen sollte. Nun, es ging mir dabei nicht um eine „Wohlstandsbekennung“ eines Chemnitzer Stadtrates, sondern um die Vorschau zur Gewinnung eines besonders wirkungsvollen Giftes, einer Nicotinlösung. Alle Gärtner, die eine Ausrede für ihr qualmendes Laster benötigen, können sich künftig gern meiner nachfolgenden Schilderung bedienen.

 Eine kleine Zigarre mittlerer Stärke wird zerbröselt auf einem halben Liter Wasser angesetzt. Genussraucher können auch zwei Zigarren fast aufrauchen und geben nur die Stummel in das Gefäß. Nichtraucher können ebenso das Rezept verwenden, aber bitte nehmen Sie dafür keine teure Havanna, sondern kaufen Sie sich im Supermarkt oder an einer Tankstelle die billigste Zigarre, die sich auftreiben lässt. Mit einem Euro sind Sie bereits dabei. Das ist immer noch wesentlich günstiger als manch unwirksame und umweltschädigende teure chemische Keule. Sie lassen die aufgesetzte Brühe ca. eine Woche an einem möglichst warmen Ort in einem geschlossenen Gefäß vergären. In dieser Zeit löst sich das Nicotin im Wasser. Filtern Sie mit einem alten Sieb oder einem ausgedienten Strumpf die Brühe durch und gießen Sie die gewonnene Flüssigkeit in eine Sprühflasche ab. Besprühen Sie die befallenen Pflanzenteile ausgiebig, sodass Ober- und Unterseite benetzt werden. Zum Schluss auch das umliegende Substrat leicht damit befeuchten. So gehen Sie sicher, dass herabgefallene Schädlinge mit der Lösung bekämpft werden.
 Das Nicotin in einer solchen Konzentration wirkt oft sofort tödlich auf die Schädlinge. Besonders wirksam ist es gegen Blattläuse. Aber auch bei dem Befall mit der „Roten Spinne“ zeigt es guten Erfolg. Bei starkem Schädlingsauftreten sollte im Abstand weniger Tage die Behandlung erneut erfolgen. Die Wirksamkeit ist in vielen Fällen von Schädlingsbefall „todsicher“. Vielleicht hilft dieses anschauliche Wirken von dem Nervengift auch manchem starken Raucher zur Enthaltsamkeit. Ich würde mich freuen. Bleiben Sie gesund!
 Was gibt es sonst noch für Möglichkeiten um Schädlingsplagen zu bekämpfen?
 Bei der „Roten Spinne“ können auch einige Streichhölzer, welche mit der Schwefelkuppe in das Substrat gesteckt werden, hilfreich sein. Durch die Feuchte, die beim Gießen entsteht, lösen sich die Inhaltsstoffe der Kuppen auf und werden von der Pflanze nach und nach aufgenommen. Der Schwefel wirkt meist abtötend auf die am Blattwerk saugenden Milben. Bei starkem Befall ist diese Methode nicht geeignet, da die Spinnmilben sich zu schnell vermehren und auf andere Pflanzen übergehen. Warme, trockene Luft beschleunigt deren Vermehrung. Meist werden Zimmerpflanzen von dieser Plage heimgesucht. Oft genügt es, befallene Pflanzen, wenn es die Witterung zulässt, einige Tage bei Regenwetter nach außen zu stellen. Die Feuchte und natürliche Feinde haben schon manche Pflanze befreit. Das hilft auch beim Befall von Tripsen und Wollläusen. Alt bewährt und oft recht wirkungsvoll ist das Abwischen der Blätter mit einer Kernseifenlösung. Wollläuse können mit einem dünnen Holz weggeschabt werden.
 Schildläuse dagegen sind sehr widerstandsfähig. Unter ihrem Deckel sind diese gut geschützt. Ein Wattestäbchen mit Spiritus getränkt kann vorsichtig auf die Schilde aufgetragen werden. Dadurch wird der Panzer zerstört und die Laus stirbt ab.
 Nicht immer muss sofort in die Natur eingegriffen werden. Einige wenige Läuse an den Gartenpflanzen sind sogar wichtig, damit sich Nutzinsekten ernähren können. Diese erledigen die Entsorgung auf ihre eigene Art und Weise. Gerade die Larven der Marienkäfer sind ausgezeichnete „Vielfresser“. Wenn sich diese also an den betroffenen Pflanzen finden lassen, wäre es sogar ein Frevel, die Pflanzenteile zu behandeln.
 Auch viele Gartenvögel reichern ihren Speiseplan mit leckeren Insekten an. Meisen sind besonders fleißige Läusevertilger. Wenn Sie die putzigen Singvögel mögen, sollten Sie ruhig mal an einigen Stellen im Garten das Vorkommen der unangenehmen Krabbeltiere zulassen. Nur bei starkem Massenbefall an den Nutz - und Zierpflanzen macht sich der Eingriff in die Natur notwendig.
 Bedenken Sie auch die Folgen beim Einsatz von chemischen Mitteln. Achten Sie besonders darauf, dass diese keine Gefahr für die ohnehin immer schwächer werdende Bienenpopulation darstellen.
 Wer seinen Garten regelmäßig chemisch einnebelt, braucht sich nicht darüber zu wundern, wenn seine Pflanzen immer weniger Früchte ansetzen, weil die notwendigen Nützlinge dazu fehlen. Nicht alles kann der Wind erledigen. Viele Pflanzen sind von der Natur auf eine Bestäubung durch Insekten eingerichtet.
 Aus manchen Gärten riecht der Einsatz alter jahrelang gelagerter Reste aus DDR-Zeit stammender Vernichtungsprodukte (z.B. Bi 85) meterweit noch tagelang. Vom Rosenduft bleibt da kein Hauch mehr übrig. Außerdem verbleiben oft auch Rückstände an chemischen Substanzen in den sonst so sorgsam gehegten Fruchtkörpern von Obst und Gemüse. Na dann, guten Appetit!!
 Wenn es denn unbedingt ein chemisches Präparat aus dem Handel sein muss, weil alle „natürlichen“ Methoden versagt haben, dann beachten Sie doch bitte folgende Hinweise:
Zimmerpflanzen nicht in kleinen geschlossenen Räumen behandeln! Sorgen Sie für ausreichende Belüftung des Raumes oder gehen Sie damit auf den Balkon oder vor die Haustür. Bitte auch nicht in Treppenhäusern mit chemischen Mitteln hantieren, es könnte ja auch jemand nichts ahnend dazukommen!
Halten Sie bei chemischen Wirkstoffen aus dem Handel unbedingt die Anwendungshinweise ein. Nicht jede Pflanze verträgt die eingesetzten Mittel. Zu kurze Sprühabstände zur Pflanze bewirken oft auch unschöne Froststellen durch die kalten Treibgase.

Was Sie tun können, um Ihre Pflanzen zu stärken, damit diese möglichst selbst mit den Schädlingen „fertig werden“ oder gar nicht erst befallen werden, verrate ich dem geneigten Leser gern in der nächsten Ausgabe.