Chormusik im Egertal

Das 19. Chortreffen der Volkssolidarität 2010

aus der Sicht eines Chorsängers von Werner Vogel

Sonntag, 06.06.2010

Etwas seltsam begannn unsere Fahrt mit dem Reiseklub (BigXtra München) am 6. Juni: 10.00 Uhr sollte der Bus abfahren, das Reiseziel Loket im tschechischen Egertal liegt jedoch nur ca. 110 km von Chemnitz entfernt und das Einchecken im Hotel ist erst für 16.00 Uhr angesetzt gewesen. Sechs Stunden Fahrzeit für diese relativ kurze Strecke – was nun machen? Der Busfahrer war davon auch überrascht und hat sich dann dafür entschieden, mit uns über die A72 und A93 zu fahren. Auf dem letzten Abschnitt von der Grenze über Eger bis Loket konnten wir dann doch noch etwas von der schönen tschechischen Landschaft sehen. Als wir dann, immer noch eine halbe Stunde zu früh, am Hotel ankamen, wurden wir freundlich und natürlich mit einem Becherovka herzlich begrüßt.
 Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, konnten wir ein paar Stunden freie Zeit genießen. Manche gingen spazieren, einige schafften es auch nur bis zur sehr schön gelegenen Terrasse mit Blick auf die Eger. Schon näherte sich die erste Überraschung in Form vom Chorleiter des Chores aus Rostock, Bremer Straße. Ein Chor, mit dem uns schon eine lange Freundschaft verbindet. Sofort wurde beschlossen, dass wir uns nach dem Abendessen gemeinsam treffen wollen, um mit viel Gesang sowie Bier und Wein den ersten Abend zu feiern. Das Personal des Hotels schaute ziemlich komisch, als wir einfach alle verfügbaren Tische und Stühle zusammenstellten. Unsere Stimmung war gut und die konnte nicht einmal der Hubschrauberlärm einer Katastrophenübung über der Eger trüben.


Montag, 07.06.2010

Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet mit ziemlich dünnem Kaffee, der mit der Zeit immer besser wurde, und einem Geburtstagsständchen für unsere Ruth Dietrich zum 86. Geburtstag waren der Auftakt für einen erlebnisreichen Tag in Karlovy Vary.
 Schade, dass gerade an diesem Vormittag der Wettergott uns nicht gerade zugetan war. Wir fuhren entlang der immer wieder durch Baustellen unterbrochenen neuen Autobahn nach Karlovy Vary. Unser tschechischer Reisebegleiter erzählte uns dabei viel über seine Heimat.
 Auch bei der Stadtführung gab es viel Interessantes zu sehen und zu hören. Leider wird entlang der Tepla viel gebaut, sodass die Führung sehr eingeschränkt verlaufen musste. Und immer wieder Regen, kein Regen, Regen – Schirm auf, Schirm zu, Schirm auf… Die Stimmung war dennoch gut, vor allem beim Besuch der Likörfabrik „Becherovka“. Es ist interessant, in welch großen Fässern ein Schnaps lagern muss, damit er richtig reifen kann. Reif war er dann bei der Kostprobe und geschmeckt hat er … Aber schon ging es weiter. Die Besichtigung der Glasfabrik „Moser-Glas“ stand noch an. Es war schön und interessant zu sehen, wie das wertvolle böhmische Glas hergestellt und was alles daraus gemacht wird. Für einige von uns war das jedoch schon zu anstrengend. Drei Projekte (Stadtführung, Likörfabrik und Glaswerke) ohne große Pausen an einem Vormittag sind in unserer Altersklasse schon schwer. Eigentlich wäre auch mehr Zeit vorhanden gewesen.
 Nach dem Abendessen gab es noch eine kurze Chorprobe, schließlich wollten wir am Tag der Chöre einigermaßen gut klingen. Dann endete der Abend bei einem kühlen Wein oder Bier.


Dienstag, 08. Juni 2010 –
Tag der Chöre.

Das Frühstück gab es wie gewohnt sehr zeitig. Danach ging es nach Franzensbad. 10.00 Uhr sollte uns dort Rolf Schneider im Casino zum gemeinsamen Singen erwarten. Unser neuer Fahrer war da und nachdem er mit unserer Begrüßung nach dem zweiten Mal zufrieden war, kam die Frage: „Waren Sie denn schon mal hier?“  „Na klar“, war seine Antwort, „schon hundertmal!“ Doch wenig später lautete seine Selbsterkenntnis: „Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich schon mal hier war, muss ich sagen: Hier war ich noch nie!“ Er hatte ein Umleitungsschild bei den vielen Baustellen übersehen und fuhr eine halbe Stunde den falschen Weg. Beim zweiten Anlauf haben wir das Schild entdeckt, an pünktliches Ankommen war jedoch nicht mehr zu denken. Rolf Schneider war schon mitten in der Probe. Unsere extra angereisten Chorfreunde auch, mit neuen Schlipsen für die Männer – toll! Und unsere Frauen hatten zum ersten Mal ihre neue Chorkleidung an. Der Casinosaal war beeindruckend und seine Akustik hervorragend.
 Am Nachmittag dann das gewohnte Programm mit sechs oder sieben Chören. Ganz schön hart war, dass wir zuletzt dran gewesen sind. Wir haben dennoch bei der Auswertung ganz gut abgeschnitten. Dann blieb noch etwas Zeit zum Umschauen in Franzensbad. Auf der Kurpromenade war allerhand los, aber wir mussten ja wieder zu unserem Bus.
 Am Abend gab es ein besonderes Erlebnis: Auf der Burg erwarteten uns im Rittersaal ein zünftiges Ritter­essen, jede Menge Bier und Wein und viele tolle Ritterspiel-Einlagen. Schöne Burgjungfern tanzten und als „älteste Teilnehmer des fahrenden Volkes“ erhielten Erna Buschmann und Walter Leichsenring eine kleine Anerkennung. Dieser Abend war für alle eine bleibende Erinnerung und fröhlich zogen dann alle gegen 22.00 Uhr nach Hause.


Mittwoch, 09. Juni 2010 –
Galakonzert in Marienbad

Durch die schöne Landschaft fuhren wir zügig nach Marienbad und waren sogar etwas früher da, sodass wir im Kurpark noch ein wenig flanieren konnten. Im Alten Festsaal des Casinos Marienbad mit den sehr schönen alten Marmorsäulen haben wir dann unter der Leitung von Rolf Schneider die gemeinsamen Lieder gesungen, bevor dann jeder Chor ein kleines Programm darbot. Zwischendurch gab es eine Mittagspause mit einem lausig schlechtem Catering, was wir aber fast schon gewohnt sind. Beim anschließenden Galaprogramm sangen wir „Grüß Gott, du schöner Maien“ und „Vergaß dei Haamit net“. Erna Buschmann und Walter Leichsenring konnten als älteste Teilnehmer des Chortreffens ausgezeichnet werden.
 Am Nachmittag gab es noch ein öffentliches Konzert in den Kolonnaden mit einem Chor, der aus Sängerinnen und Sängern aller teilnehmenden Chöre zusammengestellt wurde. Die Konzertmuschel hatte eine sehr gute Akustik und das Konzert lockte in einem sehr schönen Ambiente einige Zuschauer an.
 Wir konnten nun das Schauspiel der „Singenden Fontäne“ miterleben. Danach gab es Freizeit im Kurpark. Es war inzwischen sehr schön und warm geworden. Deshalb haben sich die meisten Sangesfreunde und Kurgäste ein schattiges Plätzchen an der Kurpromenade oder in einem Café gesucht. Den Fahrer hatten wir erst für 17.00 Uhr bestellt. Es blieb also genug Zeit zum Faulenzen.
 Für den letzten Abend hatte sich die Reiseleitung noch etwas Besonderes ausgedacht: einen „Böhmischen Abend“. Ein Duo, bestehend aus Trompete und Akkordeon, spielte alte bekannte tschechische Lieder. Dabei blieb es nicht bei der Unterhaltungsmusik, bald schon wurde Walzer und Polka getanzt. Trotz des warmen Tages und der Hitze im Lokal blieben fast alle bis zum Schluss.
 Dennoch mussten wir aber nun schon an das Kofferpacken denken. Wollte doch unser Fahrer schon gegen 8.00 Uhr am nächsten Tag losfahren. Nun, wir haben ihm noch eine halbe Stunde abgeschwatzt.


Donnerstag, 10. Juni 2010

Zum Abschied vom schönen Städtchen Loket genossen wir noch einmal den Anblick des schönen Marktplatzes mit der Pestsäule und den Blick auf die Burg. Beim Überfahren der Egerbrücke sahen wir den Knick im Flusslauf, der dem Städtchen seinen Namen gab (Ellbogen). Dann ging es entlang des Südhanges des Erzgebirges, vorbei an Karlovy Vari in Richtung Joachimsthal. Von dieser steil abfallenden Seite ist gut sichtbar, dass das Erzgebirge ein sehr schönes Gebirge ist. Bei Joachimsthal tauchten wir dann in die tief eingeschnittenen Südhangtäler ein und fuhren die steilen Serpentinen hinauf nach Bozi Dar (Gottesgab), dem Geburtsort von Anton Günther. Einen letzten Halt zum Einkaufen noch in Bärenstein, dann ging es in zügiger Fahrt der Heimat entgegen.


Insgesamt gesehen ist die Fahrt wieder ein schönes Erlebnis für alle Teilnehmer gewesen.
 Die Möglichkeit, uns mit anderen Chören zu vergleichen, nutzen wir gern, um zu sehen, wie wir uns entwickelt haben und was wir noch besser machen können. Das Preis-Leistungsverhältnis gibt uns mittlerweile jedoch zu denken, ob wir künftig bei solche Reisen des Reiseklubs (BigXtra München) noch mitmachen können. Trotzdem möchten wir noch auf das 20. Chortreffen hinarbeiten, welches im nächsten Mai in Kolobrzeg (Kolberg) an der polnischen Ostseeküste stattfinden soll. Also Ahoi!

aus VS Aktuell 3/2010, erschienen im  VS Aktuell 3/2010   Seniorenchor