Gartentipps zum Winter

reits alles winterfest gemacht und schön jedes Blatt weggeharkt? Vielleicht sind Sie enttäuscht, wenn ich Ihnen nun offenbare, dass ich es nicht für gut heißen kann, wenn alles „blitzeblank“ beräumt wurde. Das liegt nicht daran, dass ich neidisch wäre, weil ich selbst bisher keine Zeit dafür finden konnte oder das Wetter mies war, als es endlich mal gepasst hätte. „Was ist denn nun kaputt?“, werden manche Gartenfreunde jetzt fragen. Meine Antwort: „Die Natur!“. In den kommenden Zeilen möchte ich verraten, warum ich das so sehe.
 Wir Kleingärtner sind stets zur Ordnung erzogen worden, müssen wir uns doch den kritischen Blicken der Nachbarn, vieler sachkundiger Besucher oder auch von Gartenvorständen stellen. Leider entscheidet dabei der erste optische Eindruck einer Parzelle darüber, wer ein guter Kleingärtner sei. Und das besonders bei den jungen Freunden, die „keine Ahnung“ hätten und deshalb ausgiebig belehrt werden müssten. Ich selbst habe das schon einige Male erlebt. Doch kaum jemand weiß, dass ich bereits 35 Jahre in dieser Sparte wandele, als Kind die Beete der Eltern mit pflegen durfte (oder musste) und später ein eigenes hatte, wo ich viele Pflanzen, welche auf dem Komposthaufen landeten, durch Noteinpflanzungen das Leben rettete. Manche dankten es mir durch größere Früchte als auf den Beeten meiner Eltern. Meine frühe Erkenntnis: Pflanzen wollen um ihre natürlichen Bedürfnisse verstanden sein, dann klappt es auch mit ihrer „Dankbarkeit“. Es stimmt also nicht, dass der d…… Bauer die dicksten Kartoffeln hat. Außerdem habe ich mich mit meinem zweiten erlernten Beruf sehr mit den Lebensansprüchen  chlorophyllhaltiger Wesen beschäftigt.
 Wer mit der Natur im Einklang leben möchte, sollte zuerst fragen, wie die Dinge von Natur aus eingerichtet sind. Für den Winter gibt es beispielsweise folgende Fragen, natürlich immer auf die jeweilige Pflanzengattung bezogen:

Geht jemand durch die natürliche Vegetation und schneidet alles kurz und klein?
 Natürlich nicht, warum also im Kleingarten? Damit es ordentlich aussieht und sich niemand daran stört! Dabei sollte doch zuerst gefragt werden, ob es der Pflanze überhaupt dienlich ist? In den meisten Fällen eben nicht.
 Nach dem Rückschnitt geben wir uns viel Mühe, um mit Reisig und Kokosfasern einen Schutz herzustellen. Dabei stellen bereits die Blätter und Stengel einen naturbedingten Winterschutz dar. Außerdem finden wichtige Nutzinsekten ihr Winterquartier in hohlen Stengelresten und unter zusammengerollten Blättern. Einem maßvollen Rückschnitt ist nichts entgegenzusetzen, denn gerade in den Kleingartensparten muss etwas Einhalt geboten werden. Schließlich soll im öffentlichen Bereich den Besucher kein Schandfleck von grober Verwahrlosung erwarten. Dafür haben wir ja das Privileg humaner Pachtzahlungen.

Wie sieht das mit dem Rückschnitt von Bäumen und Hecken aus?
 Diese können Sie im Spätherbst, bei frostfreien Tagen auch im Winter oder im zeitigen Frühjahr beschneiden. Der Herbstschnitt hat den Vorteil, dass Sie die im Frühjahr auftreibenden Blütenknospen nicht verletzen. Nach einem strengen Winter können Sie im Frühjahr dagegen erkennen, bis wohin die Pflanzenteile eventuell zurückgefroren sind. Empfindliche Rosen schneide ich daher generell erst im Frühling. Bei robusten  Bäumen empfehle ich, den Schnitt noch im alten Jahr zu erledigen.

Wohin mit dem Schnittabfall?
 Wenn Sie etwas Platz haben, dann legen Sie sich ein „Perma-Kultur“-Beet an. Das ist einfach und praktisch. Kurz erklärt: Günstig ist eine Breite von ca. 1,20 Meter, damit sie von beiden Seiten zur anschließenden Pflege mit der Hand die Mitte erreichen sollten, ohne das Beet betreten zu müssen. Die Länge sollte nicht kürzer sein, lässt sonst aber jedes Maß offen. Wenn Sie die Fläche abgesteckt haben, heben Sie das Erdreich um eine Spatentiefe aus. Die anfallende Erde nicht auf andere Beete verteilen, Sie benötigen diese noch. Nun füllen Sie die Grube mit dem angefallenen Baum- und Heckenschnitt auf. Die gröbsten Teile kommen zuerst hinein. Feineres Material, wie Laub oder Rasenschnitt, wird zuletzt auftragen. Auf Holz von kranken Bäumen sollte verzichtet werden. Die Mitte des Beetes sollte die höchste Stelle darstellen. Am besten bauen Sie in Pyramidenform. Zum Schluss decken Sie alles reichlich mit der ausgehobenen Erde ab. Sie erhalten ein Hochbeet mit eigener Heizanlage, sozusagen mit Fußbodenheizung für Ihre Pflanzen. Der Verrottungsprozess setzt die biologischen Abfälle in wertvollen Kompost um. Im zeitigen Frühjahr können Sie bereits Gemüsepflanzen setzen, welche dankbar für die Bodenwärme und den frischen natürlichen Dünger sind, indem sie viel schneller wachsen und reifen. Das Beet selbst sollten Sie aber nicht betreten, da das Erdreich durch die Rottungsprozesse Hohlräume aufweisen und ohnehin mit der Zeit zusammensinken wird. Wenn Sie viel Holz mit eingebracht haben, wird es länger dauern, bis das Beet „schrumpft“. Wundern Sie sich nicht, wenn an dieser Stelle später möglicherweise Pilze aus dem Boden wachsen. Diese können Sie von einem Fachmann bestimmen lassen. Vielleicht sind es sogar essbare Ritterlinge oder Austernseitlinge. Das kommt auf die vergrabene Holzart an. Solche Beete können Sie auch im zeitigen Frühjahr noch anlegen.


Was gibt es sonst noch vor dem Wintereinbruch mit Schneefällen zu tun?
 Bringen Sie bis Ende Dezember an frostfreien Tagen die Zwiebeln und Knollen der Frühjahrsblüher in den Gartenboden.
 Führen Sie einen späten Rasenschnitt durch, solange der Rasen begehbar und nicht von Regen und Nässe durchweicht ist. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze sollte der Rasen erst einmal ruhen, denn unschöne Spuren im feuchten Rasenboden sind oft die Folge. Außerdem brauchen die Bienen und Insekten den Blütenflor von den fast ganzjährig blühenden Gänseblümchen. Diese sind mit den Krokussen, Winterlingen und Schneeglöckchen die ersten Blütenboten im Garten.
 Einen Kompromiss möchte ich noch beim Thema Wiese erläutern. Hier sollte tatsächlich das Laub stets beräumt werden, denn Faulstellen können unter den Blattanhäufungen entstehen, welche Ihren grünen Schmuckrasen beschädigen. Ich hoffe, Sie haben ein paar kleine Sträucher an windgeschützer Stelle, unter die Sie etwas Laub anhäufen können. Das kann ein Winterquartier für Igel sein.
 Wenn Sie Vögel im Winter füttern, dann achten Sie darauf, dass Sie stetig Nahrung an einer Futterquelle zur Verfügung stellen, die von den gefiederten Freunden angenommen worden ist. Denn diese werden jeden Tag Kurs darauf nehmen. Sie sollten konsequent morgens und vor der Abenddämmerung Futter nachlegen! Wer kein Garten vor dem Haus hat, kann lieber etwas für die Vögel im Wohnumfeld auf Fensterbrett oder Balkon tun.
 In einem naturbelassenen Garten findet sich eigentlich ohnehin immer etwas Nahrung an. Einige liegengelassene Äpfel später Sorten erfreuen besonders Amseln und an den besagten Laubhaufen lässt sich auch unter Blättern an milden Tagen etwas proteinreiches Getier aufstöbern. Fruchtstände von Wildrosen, Mispeln oder Samenkapseln von Mohn und Nigella sind nur einige wenige Beispiele natürlicher Futterquellen. Liegt  hoher Schnee, sind Meisenknödel, in den Bäumen aufgehängt, für viele Vögel willkommen. Diese werden gewöhnlich nicht sofort komplett vertilgt. Für die tägliche Fütterung in den viel­fältigsten Futterhäusern und Spen­dern nehmen Sie möglichst Fettfutter. Das sind im Handel erhältliche hafer­flockenähnlich bearbeitete Ge­treidesorten mit einem hohen Fettanteil. Auch Sonnenblumenkörner mit oder ohne Schale werden gern angenommen. Erstellen Sie am besten eine abwechslungsreiche Mischung. Doch achten Sie darauf, dass die Feinde der Vögel auch Appetit haben! Speziell für Katzen sollten die Futterstellen schwer erreichbar sein.

Liebe Gartenfreunde, ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit! Und wenn Sie beim Winterspaziergang die Schneekristalle an Gräsern und stehengelassenen Samenständen bestaunen, dann denken Sie bitte daran: „Zwanghafte Ordnung, ist eben nicht alles“ und lässt auch solche Winter-Wunder nicht zu. Außerdem: Wozu gibt es den Frühjahrsputz. In diesem Sinne verbleibe ich mit allen guten Wünschen

Ihr Andreas Wolf

aus VS Aktuell 4/2010, erschienen im  VS Aktuell 4/2010   Blumen- und Gartentipps