Wunschzettel für die Zukunft einer guten Tradition

Über Anita Müller, Sozialbetreuerin in der Wohnanlage Mozartstraße, ist schon oft berichtet worden. Sie mag nicht im Mittelpunkt stehen, das trifft eher auf ihre Arbeit und deren Ergebnisse zu. Die ehemalige Krippenerzieherin arbeitet seit der Wende in der Mozartstraße und kümmert sich um deren Bewohner. Seit 15 Jahren ist sie im Betreuten Wohnen tätig. 

Es war die siebente Weihnachtsfeier und die letzte, die Anita Müller organisierte. Im Dezember kommenden Jahres wird sich die Ruheständlerin, die noch einige Stunden haupt- und ehrenamtlich arbeitet, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben verabschieden. Deshalb stellte die Feier am 10. Dezember 2013 im Speisesaal des Seniorenpflegeheimes „An der Mozartstraße“ etwas Besonderes dar.

Die Vorbereitungen nahmen viel Arbeit und Zeit in Anspruch. Aber das stört Anita Müller nicht, sie macht das mit besonderer Freude. Kinder aus der Kita Sonnenbergstrolche hatten ihre Wunschzettel geschrieben. Darauf standen keine Handys, keine Computerspiele, sondern Anziehsachen. 

Die Bewohner aus dem Betreuten Wohnen und die Wohngruppe 071 spendeten für die Feier und die Geschenke. Eine Seniorin aus dem Pflegeheim strickte einen ganzen Korb bunter, warmer Kindersocken. Die Firma André Marschner Fußbodenbau beteiligte sich mit einer Zuwendung, wie schon in den vorhergehenden Jahren. 

Die Mitarbeiter der Küche des Pflegeheims stellten Kaffee, leckeren Kakao und Glühwein bereit. Dem Hausmeister, Matthias Ernst, kam neben der Bereitstellung der Technik für die musikalische Untermalung eine besonders wichtige Aufgabe zu: Er sorgte dafür, dass der Weihnachtsmann pünktlich erschien.

An den festlich gedeckten Tafeln stellten alsbald sich die ersten Gäste ein. Seit Jahren kommt die Wohngruppe in der Vorweihnachtszeit zusammen. Angehörige, die im Pflegeheim leben, sind natürlich mit dabei. Die Kinder von den Sonnenbergstrolchen dürfen natürlich nicht fehlen.

In einer kleinen Rede bedankte sich Anita Müller für die Unterstützung der Wohngruppe, den Spenden der Firma André Marschner Fußbodenbau, bei den Kindern, die diesen Nachmittag mit Liedern und kleinen Versen verschönerten. Sie erinnerte an gute und weniger schöne Zeiten, die sie mit den Mitgliedern ihrer Wohngruppe erlebte und die sie eng miteinander verbunden haben. „Auch, wenn ich nicht mehr hier bin, ihr könnt mich immer anrufen, ich bin für euch da“, versicherte sie und, „man muss nach vorne schauen.“ Für 2014 plant Anita Müller auf dem kleinen Vorplatz vom Betreuten Wohnen Kaffee- und Grillnachmittage anzubieten, um den Senioren, für die weitere Strecken oder Fahrten zu beschwerlich geworden sind, Stunden in Gemeinschaft und mit Unterhaltung anzubieten.

In Vertretung der Geschäftsführerin dankte Gabriele Reichel, Qualitätsmanagementbeauftragte, Anita Müller für ihre Arbeit und ihr großes Engagement in den letzten Jahren, das nicht nur die Weihnachtsfeiern betraf.

Bei Kaffee und Stollenteigkuchen nahm das Fest seinen Fortgang.

Pünktlich brachte Sandro Pelloth mit dem Vosimobil sechs Kinder und ihre Erzieherin, Katrin Rudolf, zur Weihnachtsfeier. Nach einer kleinen Stärkung an einem der liebevoll gedeckten Tische erfreuten die Kinder die Anwesenden mit Weihnachtsliedern zur Gitarre und Gedichten. Trotz Lampenfieber haben die Kleinen ihre Sache sehr gut bewältigt.

Dann plötzlich klopfte es von draußen heftig ans Fenster. Gemeinsam mit der Erzieherin wurde der bärtige Mann im roten Mantel hereingelassen. Die Kinder waren aufgeregt, aber nicht ängstlich. Dass der Weihnachtsmann wegen des Wetters nicht mit dem Schlitten angefahren kam, sondern die Straßenbahn genommen hatte, brachte alle zum Lachen. Endlich bat er eines der Mädchen, ihm beim Auspacken des Geschenkesacks zu helfen. Ein Kind nach dem anderen erhielt sein Präsent, dazu einen Schokoladenweihnachtsmann und etwas zum Knabbern.

Beim anschließenden Auspacken konnte man ihre Freude unverkennbar spüren. Gleich mussten die warmen Anoraks, Hosen und Winterjacken anprobiert werden. Alles passte! Anita Müllers Einkäufe kamen gut an. Die Wunschzettel konnten alle erfüllt werden.

Wenn man spendet, so ihr Standpunkt, solle man das persönlich tun, weil damit garantiert sei, dass die Gaben auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das Erlebnis, in viele frohe Kinderaugen zu blicken, die Begeisterung zu sehen, sei das schönste Dankeschön ganz ohne viele Worte. 

Froh und bepackt mit den neuen Sachen verabschiedete Anita Müller die Kinder und übergab ihnen je einen schwebenden Sternenluftballon mit auf den Heimweg. 

Später am Nachmittag ergriff Ursula Findeisen aus der Wohngruppe das Wort und überreichte dem Ehepaar Margarethe und Werner Richter Ehrennadel und Urkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Volkssolidarität. Die Feier ging mit einem heißen Punsch und Plaudereien in gemütlicher Runde weiter.

Wenn sich Wünsche erfüllen können, dann haben alle Beteiligten an jenem Nachmittag sicherlich in Gedanken einen Wunschzettel geschrieben: Die Veranstaltung soll es im kommenden Jahr erneut geben, damit die siebenjährige Tradition der sozialen Mitmenschlichkeit weiterleben kann. 


„Ich möchte mich sehr bedanken, dass ich die vielen Jahre diese Weihnachtsfeier durchführen konnte. Es hat viel Arbeit gemacht, ich wurde aber immer mit strahlenden Augen belohnt. Es gibt nichts schöneres, als solchen (armen) Mäusen eine Freude zu machen. Danke!“

Anita Müller