Adventsfahrt nach Johanngeorgenstadt

aus VS Aktuell 1/2017, erschienen im  VS Aktuell 1/2017   Aus den Wohngruppen 

Das Wetter verspricht schön zu werden und der Bus mit Reiseleiterin Ulrike beginnt am 7. Dezember 2016 ab 8:45 Uhr die wohlgelaunten Mitreisenden einzusammeln.

Überpünktlich erreichen wir zur Würstchenpause den Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt. Nach dem „Beinevertreten“ und dem zweiten Frühstück besuchten wir eine Ausstellung im „Huthaus“ und sahen einen Film über die Geschichte und den Wiederaufbau des Pferdegöpels. 

Der Göpel wurde 1798 von der „Neu Leipziger Glück Fundgrube“ fertiggestellt. Er wurde bis in die Zeit des ersten Weltkrieges genutzt. Innerhalb einer Schicht konnten 32 Fördertonnen aus 140 m Tiefe gefördert werden. 1921 wurde der Göpel – als letzter seiner Art in Sachsen – restauriert und konnte als Technisches Denkmal besichtigt werden. Der Großteil der Altstadt von Johanngeorgenstadt fiel dem Bergbau der SAG/SDAG Wismut zum Opfer. Der historische Pferdegöpel wurde 1948 zerstört. Nach der Wende wurde er wieder aufgebaut und am 30. Oktober 1993 eingeweiht.

An diese Besichtigung schloss sich die Fahrt zum Schaubergwerk Frisch Glück „Glöckl“ an. Einigermaßen zünftig mit Helmen ausgerüstet, erhielten wir einen Einblick in über 300 Jahre Bergbaugeschichte. Mit oder ohne Bücken (in zwei Gruppen) ging es bei durchgängig 8 °C durch die Stollen. Hier wurde deutlich, wie mühselig die Arbeit des Bergmannes war. Mit Schlegel und Eisen erreichte man einen Vortrieb von 6 bis 8 m pro Jahr bei einem zehn- bis zwölfstündigen Arbeitstag und nur dem freien Sonntag. Später erleichterten Maschinen die Arbeit, aber es wurde auch lauter und staubiger. Mit der Elektrifizierung nahm die Dunkelheit etwas ab. Die vielen Lichter in den Fenstern, an Schwibbögen und Pyramiden drücken die Sehnsucht der Bergleute nach dem Licht aus. Denn bei ihrer Arbeitszeit sahen sie vom Herbst bis zum Frühjahr kaum das Tageslicht.

Auch zu Wismut-Zeiten schufteten sich tausende Bergleute im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode: Staublunge, die „Schneeberger Krankheit“ und Unfälle gehörten dazu. 

Die „Schneeberger Krankheit“ geht auf die Strahlenbelastung durch das Uran zurück. Lange Zeit waren die Ursachen unbekannt. In den Jahren der SDAG Wismut wurde zwar mit Geigerzählern gemessen, aber nicht um die Menschen zu schützen, sondern um radioaktives Material zu finden.

Am Ende der Führung war unsere Achtung vor dem Bergmannsberuf noch größer geworden. Ich glaube, das zeigte sich auch bei der Mettenschicht, die sich anschloss. Sie war in keiner Weise kommerziell angehaucht, sondern blieb trotz  der Größe der Gruppe sehr schlicht und ehrend für die Bergleute. Das Steigerlied und das Feierabendlied drückten die Ehrerbietung aus.

Gegen 16:00 Uhr waren wir zum Kaffeetrinken mit Stollen auf dem Auersberg. Hier mussten wir uns etwas an den Kaffeetassen wärmen, weil die Heizung kalt blieb.

Wunderschön war der Abendhimmel über der Erzgebirgslandschaft. Dies konnten wir vom Turm des Auersberges bei einem Rundumblick genießen.

Es schloss sich die Lichterfahrt durchs Erzgebirge an: jede Menge große und kleine Schwibbögen, Pyramiden in allen Ortschaften, beleuchtete Weihnachtsbäume und Häuser. Und ein klein wenig weiß gepudert war die Landschaft auch.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Organisatoren, dem Busfahrer und der Reiseleiterin Ulrike und wünschen allen ein gesundes neues Jahr.