Altenpfleger – ein „Exot“ im Pflegealltag

aus VS Aktuell 1/2009, erschienen im  VS Aktuell 1/2009   Mitarbeiter vorgestellt   Häusliche Kranken- und Altenpflege   Sozialstation Scheffelstraße 

Altenpfleger/in – ein Beruf, wie ihn in Deutschland viele Menschen ausüben. Doch unter den ganzen Frauen gibt es nur sehr wenig männliche Kollegen. Tom Schaarschmitt ist einer von ihnen. Der 22-Jährige ist seit dem letzten Sommer in der Sozialstation Scheffelstraße als Altenpfleger tätig.

Gleich nach seinem Schulabschluss stand für ihn fest, dass er Menschen, die Hilfe benötigen, unterstützend und helfend zur Seite stehen möchte. Damals spielte er noch mit dem Gedanken, Physiotherapeut zu werden. Doch dann bekam er die Möglichkeit, eine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger zu beginnen. Nach dem erfolgreichen Abschluss absolvierte er seinen Zivildienst bei der mobilen Behindertenhilfe; eine Tätigkeit, die ihn später – besonders zur Winterszeit – zu Gute kommen sollte.

Seine Bewerbung beim Volkssolidarität Stadtverband Chemnitz e.V. fiel positiv aus und er konnte im Juni 2008 seine Arbeit als Altenpfleger aufnehmen. Herzlich wurde er vom Team der Scheffelstraße empfangen und ist nun fester Bestandteil von diesem. Die anfänglichen Ängste, ob er ebenso gut bei den Patienten aufgenommen wird, blieben unbegründet. Der freundliche, offene Mann wurde schnell ins Herz der zu Pflegenden geschlossen. Kaum jemand hat ein Problem damit, dass nicht mehr nur die Schwestern, sondern jetzt auch ein junger Mann die Pflegemaßnahmen durchführt.

Die Aufgaben von Tom Schaarschmitt sind sehr abwechslungsreich. Sie beinhalten zum einen die Grundpflege von pflegebedürftigen Menschen, unter anderem mit Lagern und Betten sowie die Hilfe bei Nahrungsaufnahme und Einkäufen. Zum anderen gehört als zweiter großer Bereich die Behandlungspflege auf ärztlicher Verordnung mit Medikamentengabe, Injektionen, Blutdruck- und -zuckerkontrollen und vielem mehr dazu. Und das alles in der Wohnung der Betreuten.

Im Durchschnitt besucht er täglich 15 Hilfebedürftige. Besonders zur Winterszeit werden die Pflegerinnen und Pfleger auf eine harte Probe gestellt, machen doch Straßen- und Parkverhältnisse die Arbeit nicht einfacher. Doch durch den Zivildienst beim mobilen Behindertendienst lernte Tom Schaarschmitt schnell, mit Ausnahmesituationen umzugehen, und so kommt er auch heute noch stets unversehrt beim Patienten an. „Lieber fünf Minuten zu spät als gar nicht!“, lautet dabei sein Motto für die Wintermonate.

Auch vor Notfällen bleiben die Altenpfleger nicht verschont. Eine Situation, die sich jeder Mitarbeiter oft vorstellt, aber immer hofft, dass sie nicht eintritt. Dem jungen Altenpfleger ist es schon zweimal so ergangen. Während der Ausbildung ist immer eine Schwester dabei, die im Ernstfall zur Stelle ist, doch inzwischen muss er mit solchen Situationen allein umgehen können. Das mulmige Gefühl begleitet ihn tagtäglich. Und dann passierte es plötzlich: Wie jeden Tag ging er zu Frau K., eine sonst noch recht agile Rentnerin. Doch an diesem Tag wirkte sie benommen, war teilweise abwesend, ja fast apathisch. Nicht einmal den Wochentag wusste die alte Dame. Obwohl Tom Schaarschmitt etwas nervös war, wusste er sofort, was zu tun ist – das Messen der Vitalwerte wie Blutdruck und Puls erbrachte schnell den Grund für die Teilnahmslosigkeit der Frau. Der Blutdruck war gefährlich hoch. Sofort alarmierte er den Notarzt, welcher Frau K. mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus brachte. Dank der schnellen Hilfe des Altenpflegers geht es ihr wieder gut. Dass sich die Angehörigen und auch die Patientin selbst bei ihm für die schnelle und richtige Hilfe bedankten, zeigt ihm, wie wichtig und notwendig sein Beruf ist und dass er im Ernstfall sogar Leben retten kann. Dabei übernehmen er und seine Kollegen eine große Verantwortung und müssen oft (lebens)wichtige Entscheidungen treffen.

Neben der Grund- und Behandlungspflege werden noch weitere Dienste durch die Sozialstationen des Volkssolidarität Stadtverband Chemnitz e.V. angeboten. Die Tagespflege für an Demenz erkrankte Menschen, die Mittagessenversorgung in den eigenen vier Wänden, aber auch Fahrtendienste und Hilfe in Sozialfragen gehören zu den Leistungen der Sozialstation.

Stress, Schichtdienste und die Tatsache, dass er das Leid anderer Menschen mit ansehen muss, haben Tom Schaarschmitt nicht davon abgehalten, seinen Beruf zu erlernen und auszuüben. Vielmehr macht es ihn glücklich, alten und kranken Menschen zur Seite zu stehen und zu sehen, wie er ihnen für einige Momente ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Dabei bleibt er auch unter Zeitdruck stets freundlich und arbeitet auch dann korrekt. Kontaktfreudigkeit, Gespräche mit den älteren Leuten führen zu können und vor allem Respekt vor dem Alter zu haben, sind für den 22jährigen Altenpfleger selbstverständlich. Obwohl er erst seit kurzer Zeit diesen Beruf ausübt und zu den sehr wenigen männlichen Kollegen gehört, weiß er doch schon heute: Altenpfleger - mein Traumberuf.