Gedanken zu einem Chor und einem Jubiläum

Für die älteren Bürger unserer Stadt, die keine beruflichen oder familiä­ren Verpflichtungen mehr haben, die immer damit rechnen, dass ih­nen daheim die „Decke auf den Kopf fällt“, die aber gern noch sin­gen würden, ist der Seniorenchor der Volkssolidarität Chemnitz eine gute Adresse. Gefördert und finan­ziell unterstützt vom Volkssolidarität Stadtverband Chemnitz e.V. entwi­ckelte sich eine kleine Rentner-Sin­gegruppe im Laufe der Jahre zu einem leistungsstarken gemischten Chor, dem heute ca. 80 Sängerin­nen und Sänger angehören.

 

Für die Chormitglieder beginnt jede Woche – immer montags am frühen Nachmittag – mit Gesang und guter Laune. Und das schon seit 30 Jahren. Dank der Volkssolidarität haben wir nach mehrmaligem Umzug seit eini­gen Jahren in der Begegnungsstätte Clausstraße einen schönen Proben­raum mit einem Klavier zur Verfü­gung, der sich auch für Auftritte mit Publikum eignet. Da wir uns als gro­ße Familie sehen, geht es montags bei der Begrüßung immer recht lo­cker und herzlich zu. Das „Du“ ist selbstverständlich, da spielt der Al­tersunterschied von 30 Jahren keine Rolle. Zur genannten Familie gehört auch unsere Chorleiterin Gudrun Dorschner. Seit 2004 führt sie den Chor mit viel Feingefühl an bekann­te Weisen und neue Lieder heran. Mit großer Geduld korrigiert sie Feh­ler in der Aussprache, die sich immer wieder bei uns einschleichen. Von ihr haben wir gelernt, wie wichtig das Einsingen mit Atem- und Locke­rungsübungen vor jeder Chorprobe und vor jedem Auftritt ist. Das Ein­studieren neuer Lieder kann manch­mal ganz schön anstrengend sein. Es dauert seine Zeit, bis die Stimmen, vom Sopran bis zum Bass, bis aufs i-Tüpfelchen im Einklang sind. Zeigt unsere Gudrun am Ende ein strah­lendes Gesicht, wissen wir: Es war gut. Manchmal sagt sie gar nichts – da wissen wir auch Bescheid.

 

Mit den Liedern, die wir zurzeit ein­studieren, werden wir künftig unse­re Zuhörer erfreuen; sei es bei Ver­anstaltungen im Freien oder bei Konzerten gemeinsam mit anderen Chören. Für eine gesellige Veran­staltung im Herbst wurde bereits zur Chorwerkstatt in Schöneck fleißig Operette geprobt. Die Gäste wer­den dann auch erfahren, was „Hin­ter den Kulissen von Paris“ alles pas­siert.

Für heute ist die Chorprobe been­det. Die Geburtstagskinder haben ihr Wunschlied als Ständchen be­kommen. Der Kaffee duftet schon. Jetzt ist Plauderstunde mit Erlebnis- Austausch. Am Ende ein vielstimmi­ges „Tschüß, bis nächsten Montag!“, bis zur nächsten gemeinsamen Chorprobe.

 

PS: Irene Rößler gehört zu unseren ältesten Chormitgliedern. Sie feier­te während unserer Chorwerkstatt in Schöneck ihren 85. Geburtstag. Sie ist seit 1993 dabei und hat eine gan­ze Reihe von Gedichten drauf, die sie noch immer aus dem Kopf, ohne jede Gedächtnisstütze, vortragen kann.

aus VS Aktuell 3/2009, erschienen im  VS Aktuell 3/2009   Seniorenchor