„Volkssolidarität 2.0“ – machbar oder Luftschloss?

aus VS Aktuell 2/2013, erschienen im  VS Aktuell   VS Aktuell 2/2013 

Kommunikation hat sich in den letzten Jahren stark verändert und erweitert. Facebook, Twitter oder etwa LinkedIn haben Bühnen geschaffen, die sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen, Interessengemeinschaften oder Verbände von Nutzen sein können. Wie positioniert sich die Volkssolidarität dazu? Passt sie überhaupt in die Welt der Social Media? Um diese Fragen drehte sich die Fachtagung „Volkssolidarität 2.0 – Was bringen uns Facebook & Co?“ am 15. März in Berlin.

Dr. Bernd Niederland, Mitglied des Bundesvorstandes und Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg e. V., begrüßte die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er erklärte, dass die Frage nach dem Nutzen der neuen sozialen Medien für die Volkssolidarität und ihre Kommunikation einen wichtigen Teil der Zukunftsdebatte des Verbandes darstellten. Daran anknüpfend waren auch die einleitenden Worte von Tilo Gräser, Leiter des Arbeitskreises Öffentlichkeits- und Medienarbeit des Bundesvorstandes, der die Veranstaltung organisiert hatte. Er unterstrich noch einmal, dass sich die Volkssolidarität verändern müsse, um auch in Zukunft bestehen zu können. Das gelte auch für ihre Kommunikation. „Facebook & Co sind nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag vieler Menschen. Sie sind für immer mehr Menschen alltägliche Mittel für Information und Kommunikation. Also steht die Frage, ob die neuen sozialen Netzwerke auch für unseren Verband nützlich sein können,“ so Gräser weiter. Die Chancen einer „Volkssolidarität 2.0“ würden auf der Hand liegen: Der Bekanntheitsgrad der eigenen Organisation kann erhöht werden, potenzielle Neumitglieder werden auf relativ kostengünstige Weise angesprochen, die eigene Marke wird präsentiert und mit Inhalt gefüllt und Mitglieder und Mitarbeiter, Engagierte und Sympathisanten können sich so einfach vernetzen. Allerdings gelte es zu hinterfragen, ob die Volkssolidarität überhaupt über genügend „Inhalt“ verfüge, um in den sozialen Netzwerken aktiv sein und bleiben zu können.

In ihrem Beitrag brachte Franziska Laskowski von der Agentur Trialon Berlin die Herausforderung von Facebook & Co so auf den Punkt:  „Früher hieß es, tue Gutes und rede darüber. Heute gilt der Spruch noch immer, allerdings in leicht veränderter Form: ‚Tue Gutes und lasse andere daran teilhaben und darüber reden.‘“  Es reiche aber nicht, so Laskowski weiter, eine Facebook-Seite zu haben und diese dann mit Inhalten zu füllen. Wichtig sei es, sich vorher Gedanken zu machen über die Strategie und Zielsetzung einer Präsenz in sozialen Netzwerken. Es brauche eine Fähigkeit zur Empathie: „Social Media eignet sich nicht als Marketing-Schleuder, sondern es gilt, hilfreich zu sein, Informationen im Kontext zu geben, Fragen zu beantworten, und sich auszutauschen.“ Entscheidend sei aber nicht die Menge, die Kreativität oder die Aufmerksamkeitsstärke der Kommunikation. Erfolgsfaktor sei die richtige Einbettung in die Gesamtkommunikation des Verbandes, so Laskowski. Von den Landes-, Kreis- und Stadtverbänden der Volkssolidarität hätten rund 30 ein Facebook-Profil, wenige eine Google+ Seite und niemand ein offizielles Twitter-Konto. Die Facebook-Seiten seien meistens richtig als Fan-Seiten angelegt, so die Kommunikations-Expertin, allerdings würden oft Grundregeln miss­achtet. Als Stichworte nannte Laskowski fehlendes Impressum, den Umgang mit dem Logo, Copyrights von Fotos oder etwa den Grundtenor der Seiten. Bei den meisten scheine die Zielsetzung nicht klar.  

Über Erwartungen und real Machbares sprach Reiner Strutz, Geschäftsführer der Agentur Trialon Berlin, am Nachmittag mit den Teilnehmern der Veranstaltung. Die so genannten sozialen Medien, die eigentlich gesellschaftliche Medien seien, dienten laut Strutz nicht zuletzt der „Kundenbindung“ über die Community. Allerdings müsse sich jede Verbandsgliederung, die sich bei Facebook & Co anmelden möchte, über den Zeitaufwand im Klaren sein. Auch dürfe man sich nicht vor Transparenz scheuen, müsse offene Kommunikation zulassen können. „In den Social Media ist Zensur nicht mehr möglich. Da muss man auch mal unliebsame, öffentlich im Netz geäußerte Kritik ertragen können,“ so Strutz. Franziska Laskowski unterstrich noch einmal, dass Fragen nach Zielen, welche Zielgruppe will ich erreichen, welche Botschaften verbreiten, kann ich ein Zielimage formulieren und brauche ich Unterstützung bei meinem Vorhaben, geklärt werden sollten, bevor man sich ins Facebook-Getümmel begibt.

Nach Möglichkeit werde der Arbeitskreis Öffentlichkeits- und Medienarbeit noch in diesem Jahr einen praktischen Workshop zum Thema anbieten, verkündete Tilo Gräser zum Schluss. Die Fachtagung sei ein erster Schritt gewesen, um herauszufinden, in welche Richtung der Verband in Sachen Facebook & Co gehen könne.