Am höchsten Gebäude Sachsens

aus VS Aktuell 2/2015, erschienen im  VS Aktuell 2/2015   Aus den Wohngruppen 

Die 32 Mitglieder der Wohngruppe 031 Kleinolbersdorf-Altenhain der Volkssolidarität brauchten gar nicht so weit zu reisen, um das Betriebsgelände des höchsten sächsischen Bauwerks zu besuchen – nämlich nur bis Chemnitz-Furth.

Zu Füßen des auffällig farbig gestreiften Riesen, dem weithin sichtbaren Schornstein, liegt das Heizkraftwerk des Industrieunternehmens „eins energie in sachsen“, das wir besichtigen konnten. Der von einem französischen Künstler gestaltete Schornstein mit seinen sieben Farbabschnitten ist gleichzeitig das wohl weltweit höchste Gesamtkunstwerk.

Die sehr sachkundigen Führungen fanden in zwei Gruppen statt, durch die werkserfahrenen Experten Günter Kessel und Steffen Dunger. Es ging über ein Gewirr von Stufen und Gängen vorbei an kilometerlangen Rohrleitungen und Laufbändern in luftige Höhe bis zu einem Aussichtspunkt in etwa 50 m Höhe. Von dort hatten wir bei prächtigem Sonnenschein herrliche Blicke über Stadt und Umgebung.

Drei Blöcke mit ihren Generatoren und unübersehbaren gewaltigen Kühltürmen sichern die Wärmeversorgung, liefern aber auch Strom für die vielen Kunden des Unternehmens. Zwei Blöcke werden mit Rohbraunkohle befeuert, ein Block mit Erdgas oder Heizöl. Viel Wasser wird zur Kühlung benötigt, das aus einer 15 km langen Wasserleitung aus der Zschopau und der Chemnitz entnommen wird. Ein weiteres wichtiges Abfallprodukt der Energieerzeugung ist hochwertiger Gips, der tonnenweise anfällt.

Chemnitz war übrigens eine der ersten Städte Deutschlands mit Fernwärmeversorgung, z. B. auch für das Opernhaus. Der Vorgänger des heutigen Heizkraftwerks Nord II (1986 eingeweiht, nach 1990 bedeutend ausgebaut und modernisiert) war das 1961 in Betrieb genommene Heizkraftwerk Nord I (1997 Stilllegung).

Durch den Einbau einer modernen Rauchgasentschwefelungsanlage im Jahr 1996 sowie dank zusätzlicher Entstaubungsmaßnahmen sieht unser Schornsteinriese nicht nur toll aus, sondern ist auch ein echter Saubermann. Ja, ohne einheimische Braunkohle, die in vielen langen Güterzügen angeliefert wird, ist derzeit unser Energiebedarf kontinuierlich nicht zu sichern. Die Entladung, Einlagerung und der innerbetriebliche Transport sind heute weitgehend automatisiert. Dabei musste ich schmunzelnd an meinen studentischen Praktikumseinsatz in einem Kohlekraftwerk in Leipzig vor über 50 Jahren denken. Damals plagten sich ca. 40 Mitarbeiter im 3-Schichtbetrieb bei wenig maschineller Unterstützung mit der Entladung der Züge im Freien. Das war besonders im Winter eine Knochenarbeit bei der in Waggons angefrorenen Kohle, wie ich am eigenen Leib damals erfuhr.

In diesem Zusammenhang muss hervorgehoben werden, wie menschenleer heutzutage die Produktionsanlagen des Heizkraftwerkes sind, natürlich auf der Grundlage moderner Technologien und Automatisierung der Prozesse. In der computergestützten Schaltzentrale des Betriebes konnten wir uns davon ein Bild machen, wie nur wenige Mitarbeiter den gesamten Produktionsablauf steuern und sicherstellen. Trotz Produktion rund um die Uhr sind weniger als 150 Mitarbeiter dafür verantwortlich, dass wir zuverlässig immer genug Wärme und Strom verbrauchen können. Dank dafür allen Mitarbeitern und vor allem ein großes Dankeschön an die beiden Experten, die uns diese so wichtige Industrieanlage ein ganzes Stück näher gebracht haben.