Lieselotte und Werner Vogel

aus VS Aktuell 2/2004, erschienen im  VS Aktuell 2/2004   Im Ehrenamt vorgestellt 

Montagnachmittag: Der Seniorenchor der Volkssolidarität Chemnitz probt im Saal der Begegnungsstätte Clausstraße. Gudrun Dorschner dirigiert „Odi et amo“ (Hassen und Lieben) von Orff. „Jetzt müssen wir aufpassen, nicht so große Pausen - nochmal alle zusammen“ sagt die Chorleiterin. Und am Schluss: „a, die Pässe waren schön da.“ Zu den Pässen gehört auch Werner Vogel. Beim Proben konzentriert er sich, wie die meisten der 70 Choristen, auf das Notenblatt. Seine Frau Liselotte sitzt im „Sopran“. Die Liebe zur Musik, zum Singen, hat beide vor gut zwei Jahren in diesen Chor geführt. Mit 63 (Lieselotte) und 66 (Werner) gehören sie zu den Jüngeren. Das Durchschnittsalter liegt bei 73 Jahren. Von den Elternhäusern angeregt, sangen sie schon in Schul- und anderen Chören mit. Aber bei den Chemnitzer Sänger- Senioren machen sie sich nicht nur mit der Stimme nützlich. Rund 30 Jahre war Werner Vogel als Ökonom in der Datenverarbeitung tätig und weiß hervorragend mit Computern umzugehen. So hat er schon viele Schreibarbeiten (Pläne und Programme) für den Chor erledigt, aber auch liebevoll Konzertplakate gefertigt. Für den Auftritt am 11. Juli in der Schlosskapelle der Augustusburg lag erstmalig die gesamte organisatorische Vorbereitung bei ihm. Ein ausgesprochener Glückstreffer war auch seine Frau Lieselotte für die Sangesfreunde. Als gelernte Herren- und Damenschneiderin hat sie Teile der Chorkleidung erneuert. Seit kurzem verwaltet sie die Noten. Vogels können auf mehreren Gebieten und ihr Wille, es für die Gemeinschaft, in der sie sich wohlfühlen, einzusetzen, macht sie beliebt, wie man von mehreren Sängerinnen und Sängern hört. Dabei ist es nicht die singende Zunft allein, bei der sich das Ehepaar engagiert. Alles fing damit an, dass die beiden im Herbst 2001, nach der Neugründung der Wohngruppe 018 aus Mitgliedern vom Sonnenberg und vom Yorckgebiet zusagten, im neuen Vorstand mitzutun. Seitdem ist Lieselotte Vogel eine von zwölf VolkshelferInnen und Werner Hauptkassierer. „Wir stellen heute fest, dass wir damit keinen Fehler gemacht haben“, sind sich beide einig. „Wir helfen gern ehrenamtlich, weil wir uns freuen, wenn wir in den Gesichtern der Mitglieder sehen, wie die sich über unsere Arbeit freuen“, so Werner. Und die Unzertrennlichen sind das lebendige Beispiel dafür, wie man sich im Miteinander und Füreinander der Organisation mit all seinen Fähigkeiten und Talenten verwirklichen kann. Da ist die Begegnungsstätte Regensburger Straße 51. Wer hier verkehrt, kennt das Ehepaar. Beim Planen und Gestalten der verschiedenen Erlebnisse für die Besucher mischt Werner Vogel kräftig mit. Das betrifft Frühlingsfeste, Vorträge zur Gesundheit, Literaturnachmittage, bei denen er auch eigene Gedichte vorträgt, mal einen Ritterschmaus und Hutzenabende im Winter. Gute Beziehungen bestehen zum Kindergarten der Volkssolidarität in der Sebastian-Bach- Straße 21. Gemeinsam mit der Wohngruppenvorsitzenden Regina Wieland und Kindergruppen gestaltet er Seniorengeburtstage in der Begegnungsstätte und am Kindertag besuchen die älteren Semester aus der 018 die Jüngsten in deren Domizil. Lieselotte Vogel, die sehr gern bastelt, hat den Kindern vor einiger Zeit ein Mobile (auch Unruh) mit selbst gehäkelten Schmetterlingen geschenkt. Einen Zitronenfalter hat sie der Begegnungsstätte vermacht. Mit ihr kommen viele Ältere gern ins Gespräch, denn sie ist einfühlsam und kann gut zuhören. Ebenso weiß Sylvia Oschätzchen, die das Objekt in der Regensburger Straße 51 leitet, Vogels offene und ehrliche Art zu schätzen. Sie meint kurz und bündig: „Die sind hier zu Hause“. Das belegt auch ihre regelmäßige Teilnahme am hiesigen Englischkurs oder an den Tanznachmittagen. Dabei lässt der Werner mit allen Anwesenden schon mal den „Holzmichel“ hochleben, damit Stimmung aufkommt. Fast von selbst versteht sich, dass Vogels bei Veranstaltungen ihre umfangreiche CD-Sammlung und anderes mit einsetzen. Erwähnenswert sind noch die Computerschnupperkurse für Senioren in der Begegnungsstätte Scheffelstraße 8. Werner leitet sie mit Können und einem Quäntchen Humor. Das Credo des Ehepaares ist: „Wenn wir uns entschlossen haben, etwas zu tun, dann voll und ganz.“